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Hintergrund Das Kaugummi-ABC

Von Redaktion svz.de | 02.09.2020, 18:58 Uhr

Manche nutzen ihn zur DNA-Analyse, manche kommen damit sogar ins Guinessbuch der Rekorde: Die Rede ist vom Kaugummi. Kuriose und wissenswerte Fakten rund um die klebrige Süßigkeit haben wir in einer kleinen Übersicht zusammengestellt.

Das erste PatentVor rund 151 Jahren, am 27. Juli 1869, erhielt Amos Tyler aus Ohio (USA) das erste Kaugummi-Patent für eine „verbesserte Kaugummi-Verbindung“. Das Patent gilt als das erste gewerbliche Schutzrecht für die klebrige Süßigkeit. Gekaut wurde in Skandinavien aber bereits vor 9000 Jahren – damals auf Birkenharz, statt auf den heute erhältlichen Kaugummis mit Kirsch- oder Pfefferminzgeschmack.

KaugewohnheitenUnter den verschiedenen Geschmacksrichtungen ist der Pfefferminz-Kaugummi noch immer der Liebling der Deutschen. Übrigens konsumiert jeder Deutsche 100 Streifen Kaugummi im Jahr, dafür geben sie rund 569 Millionen Euro aus.

Nur auf RezeptIn Singapur waren der Verkauf, die Herstellung und der Import von Kaugummis seit 1992 verboten, weil Scherzbolde U-Bahn-Türen damit blockierten und die Regierenden die hellen, eingetrockneten Kleckse auf dem Boden unansehnlich fanden. Als Teil eines Freihandelsabkommens mit den USA ließ sich Singapur 2004 auf einen Kompromiss ein: Zumindest auf Rezept und unter Vorzeigen des Personalausweises können Kaugummis zu medizinischen Zwecken verkauft werden.

Kaugummi als DNA-SpenderNicht einmal 100 Euro kostet heutzutage eine DNA-Analyse im Internet. Um mehr über die eigene Vergangenheit, die eigenen Vorfahren aber auch mögliche Krankheitsrisiken zu erfahren, muss die eigene DNA entnommen und von Laboren untersucht werden. Als Grundlage dafür dient beispielsweise ein Kaugummi. Die darin enthaltene DNA reicht zur Identifizierung aus.

Die Dröhnung gleich dabei Ein Ladeninhaber im niederländischen Assen hat einen Kaugummi-Automaten mit besonderen Überraschungen für seine Kunden gefüllt. Statt der Süßigkeiten gab es für umgerechnet rund 2,25 Euro einen Überraschungsball mit Haschisch, meldete 2001 die Tageszeitung „De Telegraaf“.

Kaugummi zur SchnelldiagnoseEinen Kaugummi zur Schnelldiagnose hat ein deutsches Forscherteam der Universitäten Düsseldorf, Würzburg, Berlin und Jena entwickelt. Bereits 2011 begann die Forschung an dem innovativen Produkt, seit August 2019 haben sich die Forschenden zu einem Startup zusammengeschlossen. Der Kaugummi-Schnelltest soll dabei helfen, frühzeitig bakterielle Entzündungen im Mund zu erkennen. Ist eine Entzündung vorhanden, schmeckt der Kaugummi nach wenigen Minuten bitter. Vor allem für Patienten mit Zahnimplantaten soll dieser erfinderische Kaugummi sinnvoll sein. Erhältlich wird der Kaugummi voraussichtlich Anfang 2021 sein.

Gemälde beklebtEin zwölfjähriger Schüler hatte 2006 in einem amerikanischen Museum ein Kaugummi auf ein Gemälde geklebt. Auf dem abstrakten Bild von Helen Frankenthaler mit dem Titel „Die Bucht“ (1963) blieb ein Fleck von der Größe eines Geldstücks zurück. Der Wert des Bildes wird auf 1,2 Millionen Euro geschätzt. Der Schuldige gestand. Die Schule hat ihn zur Strafe für einige Zeit vom Unterricht ausgeschlossen.

Die Kaugummi-SpuckerFür das „Kaugummispucken“ wird in vielen deutschen Städten ein Bußgeld fällig. Die „Spucker“ sind laut einer Studie zum Littering (unachtsam weggeworfener Müll), die 2018 vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) herausgegeben wurde, meist junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren. Als Gründe für dieses Verhalten führte die Studie Bequemlichkeit und mangelnde Erziehung an. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Langzeitstudie von 2005 bis 2017 erhoben. Neben dem Kaugummispucken umfasst Littering jedoch auch das Wegwerfen von Kaffeebechern und Zigarettenstummeln.

Im FußballtorEin Balljunge hat Jens Lehmann während des WM-Halbfinalkrimis zwischen Deutschland und Italien im Juli 2006 aus der Bredouille geholfen. „Normalerweise reicht ein Kaugummi für ein ganzes Spiel, aber diesmal war er schon vor dem Ende so weich und ungenießbar“, so Lehmann damals. Der junge Helfer eilte ohne Lampenfieber zur Auswechselbank und unterrichtete von seinem ungewöhnlichen Auftrag. Trotzdem: Die Italiener gewannen 2:0.

3302 verschiedene PäckchenDie größte Kaugummisammlung der Welt befindet sich im Besitz von Volker und Thomas Martins. Die beiden Herren aus Freiburg haben seit Gründung ihrer Sammlung am 12. Januar 1976 mehr als 3302 verschiedene Streifen-Kaugummi-Päckchen (also mehr als 20934 Streifen) aus mehr als 51 Ländern und mit mehr als 81 verschiedenen Geschmacksrichtungen zusammengetragen. 2007 wurde das Konvolut zum ersten Mal in Offenburg ausgestellt. Es hat einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde.

Größte BlaseRekordhalterin in der Disziplin "Größte Kaugummiblase aus nicht mehr als drei Kaugummis" ist Susan Montgomery Williams aus Fresno in Kalifornien. Mit einem Durchmesser von 58,4 Zentimetern schaffte ihre Kaugummiblase 1994 den Weltrekord, der bis heute nicht gebrochen werden konnte.

27 Kilogramm entferntArchäologen haben während einer gründlichen Säuberung des vollständig aus Marmor gebauten Herodes Atticus Amphitheaters unter der Akropolis von Athen 27 Kilogramm Kaugummi entfernt. Dies gab im Sommer 2006 das griechische Kulturministerium bekannt. Das Theater wurde 161 v. Chr. erbaut. 5000 Zuschauer finden in den 32 Sitzreihen Platz.