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Versetzung gefährdet Corona-Note „mangelhaft“

Von Anja Bölck | 22.09.2020, 16:00 Uhr

In einer Umfrage stellen Eltern den Schulen ein absolut unbefriedigendes Zeugnis aus, was das technische Management des Corona-Lockdowns betrifft. Wie sieht es an eurer Schule mit der Digitalisierung aus?

Ein Tablet für dich im Unterricht. So langsam trudeln die Pakete mit der Technik bei euch an den Schulen ein. Du freust dich sicher schon auf das Teil. Hättest aber schon länger gern damit gearbeitet. Frag deine Lehrer, was in nächster Zeit noch so an eurer Schule an digitalen Neuerungen passiert. Und erzähle ihnen, wie und womit du gerne arbeiten würdest.

Wichtig ist, dass an den Schulen was passiert, denn der Corona-Lockdown hat gezeigt, wie weit wir in Deutschland in Sachen digitaler Unterricht hinterher hinken. Du hast viele Wochen Zuhause deine Schulsachen erledigt. Einfach war das sicher nicht für dich. Engagierte Lehrer versorgten dich per Mail oder über Schulplattformen mit reichlich Unterrichtsstoff, von anderen erhieltst du dagegen kaum ein Lebenszeichen. Sicher war es auch für deine Eltern nicht einfach, hin und wieder die Rolle des Lehrers zu übernehmen.

Genervt vom Homeschooling

Schau mal hier, was viele von euch am Homeschooling unfair fanden und was sie genervt hat.

Jedenfalls wäre alles viel einfacher abgelaufen, wenn Deutschland die Digitalisierung der Schulen nicht schon seit Jahren verschleppt hätte. Im internationalen Vergleich liegen wir da weit hinten. In den meisten Ländern ist die Quote der Lehrer, die digitale Medien im Unterreicht einsetzt, doppelt so hoch und höher als bei uns. 

Guck mal, vereinzelt gibt es schon digital gut aufgestellte Schulen in Deutschland, in denen Schüler nicht nur im Informatikunterricht mit Tablet statt Büchern arbeiten

Es ist also kein Wunder, dass die Eltern derzeit mit den Schulen hart ins Gericht gehen. In einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom geben sie den Schulen die  Note „mangelhaft“ für ihre Fähigkeit, im Falle erneuter Schulschließungen den Unterricht aufrechterhalten zu können. Nach Einschätzung von Eltern wie auch der Gesamtbevölkerung ist an den meisten Schulen der Wechsel ins virtuelle Klassenzimmer nicht geglückt. Als gerade noch „ausreichend“ wird der Stand der digitalen Bildung in Deutschland bewertet, etwa wenn es um Geräteausstattung, Internetanbindung und digitale Unterrichtsinhalte der Schulen geht.

„Die Corona-Krise hat unser Bildungssystem vor eine Zerreißprobe gestellt. Bei vielen Bürgern wurde massiv Vertrauen verspielt, weil Unterricht zu oft ersatzlos gestrichen wurde und viele Schulen nicht in der Lage waren, die ihnen anvertrauten Schüler auch nur ansatzweise zu betreuen“, sagt Achim Berg, der Präsident des Digitalverbands Bitkom . „Die massiven Verunsicherungen durch Behörden und Datenschutzbeauftragte haben dann auch noch die digitalen Vorreiter unter den Schulen und Lehrkräften ausgebremst. Corona ist der Startschuss für die Digitalisierung der Schulen. Jetzt heißt es, die Digitalisierung der Schulen von Null auf Hundert zu beschleunigen und das von jetzt auf gleich.“

Informatik soll Pflichtfach ab Klasse 5 werden

Auch Eltern sprechen sich in der Umfrage dafür aus, dass Computer, Smartboards und Tablets an Schulen Standard wird. Viele fordern auch, dass das Fach Informatik ab Klasse 5 ein Pflichtfach wird.

Ein Beispiel könnten wir uns an Dänemark. Seit Jahrzehnten tut das Nachbarland alles dafür, um die Schüler fit zu machen für die Anforderungen des digitalen Zeitalters. Heute läuft in dänischen Schulen alles digital – Klassenarbeiten, Präsentation, Organisation, Kommunikation, Zeugnisse. Sogar seinen Schulabschluss kann man nicht ohne Laptop machen.

Achim Berg, der Präsident des Digitalverbands Bitkom fordert energisch: Der Digitalpakt Schule, der bis 2024 Bundesmittel in Höhe von fünf Milliarden Euro bereitstellt, müsse nun endlich konsequent und unverzüglich umgesetzt werden. „So wichtig der Digitalpakt ist, so schleppend und bürokratisch läuft die Umsetzung. Das Geld kommt bislang nur tröpfchenweise bei den Schulen an.“ Derzeit seien lediglich ein Fünftel der Mittel bewilligt. „Die Schulen brauchen das Geld jetzt, um in die digitale Zukunft zu starten. Vom Bund bis zum regionalen Schulamt sind alle gefordert, den Digitalpakt zur Wirkung zu bringen.“

Unbürokratische Hilfe

Besonders positiv hebt Berg dabei die Zusatzvereinbarung im Digitalpakt vor dem Hintergrund der Corona-Krise hervor: „Die Corona-Hilfen für Schülerendgeräte in Höhe von 500 Millionen Euro werden unbürokratisch und direkt von den Ländern an die Schulen verteilt. So einfach sollte es auch beim Digitalpakt laufen.“