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Geschichte : Zwei plus Vier macht Eins!

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Am 3. Oktober feiert Deutschland, dass es nicht mehr in zwei Staaten geteilt ist, sondern wieder vereint.

Ein Mann in einer Strickjacke, der andere im Pulli: Die Fotos aus dem Jahr 1990 wirken wie Urlaubsbilder. Gelassen  sitzen die Männer auf Stühlen aus Baumstämmen und plaudern. Aber der Eindruck täuscht. Dieses Treffen ist extrem ernst. Die Zukunft Deutschlands hängt stark davon ab.

Der Mann in der Strickjacke heißt Helmut Kohl: Er ist damals Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Der Mann im Pulli ist Michail Gorbatschow. Er ist damals der Regierungschef der Sowjetunion. Die Sowjetunion gibt es heute nicht mehr. Das war ein riesiges Reich – dazu gehörte zum Beispiel Russland.

Gorbatschow hat Kohl zu sich in seine Jagdhütte im Gebirge eingeladen. Dort verhandeln sie, wie es mit Deutschland weitergeht.

Denn kurz zuvor ist etwas passiert, womit keiner gerechnet hat! Immer mehr Menschen in der DDR, dem deutschen Staat im Osten, hatten sich gegen Verbote in ihrem Land  gewehrt. Sie wollten nicht länger hinter Grenzmauern einsperrt sein, sondern frei in den Westen reisen.

Denn Deutschland war geteilt: In die DDR und die Bundesrepublik Deutschland im Westen. Irgendwann gab die Regierung der DDR auf. Die Grenzen wurden geöffnet. Aber wie sollte es weitergehen? Viele Deutsche waren schnell dafür, dass aus den beiden deutschen Staaten wieder ein Land wird. Aber: „Die Deutschen durften das nicht allein entscheiden. Andere wollten mitreden“, sagt der Fachmann Christoph Classen. Das waren die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion. Diese Länder hatten Deutschland im Zweiten Weltkrieg besiegt und aufgeteilt. Die Sowjetunion bestimmte über den Osten, die drei anderen Länder über den Westen. Ost und West waren verfeindet.

Aber nun mussten sie gemeinsam verhandeln. Deshalb gab es ab Mai 1990 die sogenannten Zwei-plus-Vier-Gespräche. Dazu trafen sich Politiker aus den zwei deutschen Staaten und den vier Sieger-Ländern. „Jedes Land hatte dabei eigene Interessen im Sinn, und die passten nicht zusammen“, erklärt der Experte. Bei den Gesprächen ging es deshalb wenig voran. Keiner gab nach.

Bis sich Kohl, Gorbatschow und andere trafen. Gorbatschow wusste: Er könnte die DDR vielleicht mit Soldaten wieder unter Kontrolle bringen. „Aber das wollte er nicht. Er bemühte sich schon länger um friedlichere Beziehungen zum Westen“, sagt Christoph Classen.

Dazu kam, dass die Sowjetunion arm war. Deshalb einigte man sich so: Deutschland zahlt der Sowjetunion Geld. Und diese erlaubt, dass die beiden deutschen Staaten ein Staat werden. Das war  der Durchbruch. Die Zwei-plus-Vier-Gespräche kamen voran.

Nach einer langen Sitzung im September war es so weit. Die Politiker unterschrieben den „Zwei-plus-Vier-Vertrag“, um die Deutsche Einheit zu vereinbaren. „Das gilt als Meisterstück der Diplomatie“, sagt Christoph Classen. Damit ist eine Kunst im Verhandeln gemeint, wo Unwahrscheinliches gelingt: Zwei plus Vier macht Eins.

Autorin: Silke Fokken

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