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Junge Zeitung

24. Oktober 2017 | 08:05 Uhr

Umwelt : Zu schade zum Wegwerfen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Deutschland landen viele Lebensmittel im Müll – das soll sich ändern.

Das Essen im Restaurant war wirklich lecker und die Portionen waren so groß, dass vieles übrig blieb. Alles, was auf dem Tisch stand, kommt nun in den Müll. Ein Jammer! Anderen Gästen darf davon nichts mehr angeboten werden – so will es das Gesetz. In den USA ist es in Restaurants üblich, den Gästen die Reste ihrer Mahlzeit in einem Tütchen mit nach Hause zu geben. „Für den Hund“ heißt es dann augenzwinkernd. Diese „Doggy Bags“ (Hundebeutel) nehmen auch Leute ohne Hund gern mit nach Hause und essen die Reste später selbst auf.

Ganz anders in Deutschland: Essensreste aus dem Restaurant mit nach Hause zu nehmen, galt lange Zeit als unfein und irgendwie peinlich. Fast niemand traute sich, danach zu fragen. Das soll sich jetzt ändern. Gaststätten wollen jetzt „Doggy Bags“ anbieten – und manche haben schon damit angefangen. Der Grund: In Deutschland werden riesige Mengen Lebensmittel einfach weggeworfen. Experten schätzen, dass jedes Jahr bis zu elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen. Das entspricht der Ladung von 257 000 Lastwagen! Würden diese Lastwagen hintereinander auf der Straße stehen, würden sie eine 4500 Kilometer lange Kette bilden.

Viele Menschen stört es, dass bei uns in Deutschland so viel Essen weggeworfen wird, obwohl es auf der Welt Millionen von Menschen gibt, die hungern. Auch in Deutschland müssen manche Menschen mit sehr wenig Geld auskommen und sparen deshalb am Essen. In vielen Städten sind deshalb so genannte Tafeln entstanden. Supermärkte, Bäckereien, Obsthändler und Restaurants spenden Lebensmittel. Diese werden gratis an Bedürftige verteilt.

Besonders Supermärkte schmeißen viele Lebensmittel einfach weg, weil sie ihre Ware nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr anbieten wollen. Bei Geflügel und Hackfleisch ist das auch richtig, damit die Kunden nicht krank werden. Viele andere Produkte können aber auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gegessen werden.

In Großstädten der USA haben vor einigen Jahren Menschen angefangen, sich ihr Essen regelmäßig aus den Müllcontainern der Supermärkte zusammenzusuchen. Sie nennen sich „Mülltaucher“ und tun das nicht nur, um Geld zu sparen, sondern vor allem aus Protest gegen das ständige Wegschmeißen. Auch in Berlin und Frankfurt gibt es inzwischen „Mülltaucher“ aus Überzeugung. Sie haben oft normale Jobs oder studieren und gehen nachts heimlich auf Tour, denn offiziell gilt ihr Tun als Diebstahl.

Autorin: Maren Herbst

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