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„Traumjobs“ : Berufsberatung einmal anders

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Ein-Mann-Stück „Traumjobs“ aus dem Parchimer Landestheater kann für jedes Klassenzimmer gebucht werden.

Ein Mann von der Bundesagentur für Arbeit vermittelt jungen Menschen wie wichtig es ist, am Arbeitsmarkt aktiv zu sein. Es könnte also eine ganz normale Stunde werden, in welcher die Jugendlichen gelangweilt nach vorne blicken, nicht zuhören und nichts lernen. Aber das wird es nicht. Denn das etwa fünfzigminütige Ein-Mann-Stück „Traumjobs“ von John Düffel, weicht vom Gewohnten ab.

Martin Klingenberg alias Carlo Destra versucht im Stück Fragen zu beantworten, die sich Teenager am Ende der Schulzeit stellen. „Die Camorra (ein krimineller, organisierter Mafia-ähnlicher Clan in Neapel) kümmert sich um ihre Leute. Hier fällt niemand durchs Netz, jeder wird aufgefangen!“. Mit solchen Sätzen berichtet Destra aus seinem früheren Leben in Italiens Hochburg für Kriminalität, Arbeits- und Hoffnungslosigkeit.


Statt Literatur Leichen studieren


Ursprünglich hatte Destra eine unbeschwerte Kindheit in Deutschland, doch dann hat die Vergangenheit seines Vaters die gesamte Familie eingeholt. Das Geld reichte nicht mehr aus, um das Schutzgeld zu bezahlen, sie mussten nach Italien ziehen. Sein Vater. Ein Mann, der sein Leben lang versucht hat, aus der Camorra zu entfliehen und letztlich nicht einmal seinen eigenen Sohn davor bewahren konnte. So beginnt Destras eigentliches Leben.

Statt literarische Weltromane zu studieren, lernt er Leichen zu lesen. Er bekommt einen Anzug und eine Pistole und rekrutiert letztlich neue Anwärter für die Camorra in Ostdeutschland. Denn dort ist die Grundsituation so ähnlich wie in Neapel und eben dies macht organisierte Kriminalität groß.


Ausstieg ist nicht einfach


Carlo ist gut darin, neue Leute für die Camorra zu finden. Dass er akzentfrei deutsch spricht, hilft ihm, keinen Verdacht zu erregen. Nachdem er jeoch einen neuen Jugendlichen mit nach Italien genommen hat, passiert ein tragischer Unfall. Der Neuling wird erschossen, weil Carlo ihm zu wenig Informationen gegeben hat. Von dem eigenen Gewissen geplagt will er aussteigen, nach Deutschland ziehen, ehrlich arbeiten. Doch aus der Camorra steigt man nicht so einfach aus!


Ende gut, alles gut?


Während die Bundesagentur Fragen stellt, wie „was kann ich?“ und „was will ich?“, hat Carlo ganz andere im Kopf. „Wo komme ich her und wo gehöre ich hin?“. Denn auf die Fragen der Agentur hat er schnell Antworten gefunden: „Man KANN als Drogenkurier arbeiten, ohne es zu WOLLEN!“.

In diesem Stück merkt man schnell, dass kein Zeigefinger gehoben, keine Moral angebracht wird. Nüchtern und trocken wird hier über den scheinbar einfachen Weg in der kriminellen Camorra berichtet. Am Ende bleibt die innere Frage übrig, ob man den einfachen Weg möchte, dafür aber für immer in einem kriminellen Netz hängen bleibt. Oder nimmt man lieber ehrliche harte Arbeit in Kauf, die einen vielleicht nicht einmal wirkliche Chancen bietet.

Carlo hat es jedenfalls geschafft. Er ist der Camorra entkommen und hat eine neue Arbeit. Jetzt kann er legal jungen Leuten gute Ausbildungen anbieten. Er sieht, wer etwas kann und wer nicht. Das konnte er schon immer gut: junge Talente finden... für die Camorra?!
 

Hintergrund: „Traumjobs“ ist  das neue Klassenzimmerstück des Mecklenburgischen Landestheaters in Parchim. Diese Berufsberatung der etwas anderen Art, kann also – sofern eine Steckdose vorhanden ist – für jedes Klassenzimmer gebucht werden. Das Ensemble reist in alle Schulen Mecklenburgs und in die Prignitz.

Die Schüler sollten mindestens zwölf Jahre alt sein, damit sie das Theaterstück in seinem vollen Umfang begreifen und genießen können. Weitere Informationen zum Stück gibt es unter 03871/ 6291210. Zusätzlich gibt es auch eine Unterrichtsmaterialmappe, die über diese Telefonnummer angefordert werden kann.
 

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erstellt am 06.Jan.2014 | 14:54 Uhr

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