Interview : Schauspielerin – ein Traumberuf?

„Othello“ im Dom-Innenhof mit Caroline Wybranietz und Amadeus Köhli
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„Othello“ im Dom-Innenhof mit Caroline Wybranietz und Amadeus Köhli

Die Gymnasiastin Josefine Kasten sprach mit Caroline Wybranietz über ihre Karriere, das Textlernen und neue Ziele

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20. Juni 2016, 15:00 Uhr

Die Schweriner Bühnen hat Caroline Wybranietz mit ihrem Schauspiel-, Tanz- und Gesangstalent schon erobert, dabei gehört die gerade mal 26 Jahre junge Schauspielerin erst seit vier Jahren zum Ensemble des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin. Unter anderem konnte man sie als Hauptdarstellerin in „Romeo&Julia“, „Fame“ oder in „Er ist wieder da“ erleben. Trotz ihres vollen Terminkalenders fand sie die Zeit, der Schülerin Josefine Kasten einige Fragen zu ihrer Schauspielkarriere zu beantworten.


Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Wybranietz: Als ich zehn war, bin ich in eine Theatergruppe gekommen, die in der Zeitung ausgeschrieben war. Dort habe ich dann auch meine Begeisterung für das Schauspielern entdeckt. Schließlich hat es mir sogar so gut gefallen, dass ich das unbedingt auch als Beruf machen wollte. Ich musste jedoch noch mein Abitur machen, aber es sollte auch alles ganz zügig gehen, damit ich schnell zur Schauspielschule kommen konnte. Ich habe mich dann an verschiedenen Schauspielschulen beworben und bin schließlich nach Zinnowitz an die Theaterakademie gegangen.
Auf welchem Wege sind Sie ans Schweriner Theater gekommen?
Zufall. Wirklich. Als Schauspieler schreibst du ungefähr 180 Bewerbungen, also wirklich an alle deutschsprachigen Theater, um irgendwie einen Job zu finden. Ich hätte nicht gedacht, dass es so naheliegend ist, weil von Usedom, wo ich herkomme, bis nach Schwerin ist es nicht sehr weit. Der Schauspieldirektor Peter Dehler hatte meine Bewerbung gesehen und hat mich schließlich eingeladen, wir waren uns sympathisch und dann hat es geklappt.
Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei Ihnen aus?
Morgens geht’s normalerweise um 10 Uhr los. Da startet eine Probe auf einer Probebühne zu einem Stück, was gerade gemacht wird. Dann kommt eine Pause von 14 bis 18 Uhr, wo man Zeit hat zum Textlernen oder Wäsche waschen oder um ein Buch zu lesen. Und dann geht’s, wenn man keine Vorstellung hat, um 18 Uhr wieder los bis 22 Uhr. Wenn man einen Auftritt hat, muss man schon früher ins Theater.
Ich stelle mir das Textlernen sehr aufwändig vor. Wie gelingt es Ihnen sich den ganzen Text zu merken?
Es ist eigentlich gar nicht so schwer, weil es das „Hauptding“ von unserem Beruf ist, denn man macht es ständig. Mir hilft es am meisten den Text immer wieder laut und leise zu lesen und das ganz, ganz oft. Bei großen Stücken, wie zum Beispiel „Er ist wieder da“, lese ich den ganzen Text nochmal vorm Schlafen gehen.
Haben Sie neben den ganzen Proben und Vorstellungen noch Zeit und Lust einem Hobby nachzugehen?
Ich mache Yoga, um mich zu entspannen, weil ich unglaublich aufgeregt bin vor Vorstellungen. Nebenbei leite ich auch zwei Kindertanzgruppen bei Ataraxia. Ich verdiene zwar ebenfalls Geld damit, aber man kann das schon als Hobby bezeichnen. Außerdem habe ich auch noch eine Schauspielgruppe. Ich mache eigentlich viel nebenbei, aber es hat immer irgendwie mit dem Beruf zu tun.
Haben Sie eine Lieblingsrolle, die Sie gerne einmal spielen würden?
Bis jetzt habe ich sie schon gespielt. Es war nämlich die Julia, die ich unbedingt spielen wollte. Und ich habe sie auch spielen dürfen genauso, wie ich sie spielen wollte. Der Regisseur und ich waren uns so einig, wie diese Rolle sein sollte, dass es ein totaler Glücksmoment war. Zurzeit habe ich keine spezielle Lieblingsrolle. Eigentlich will man alles gerne machen. Ich wollte unbedingt mal eine Hosenrolle spielen, also eine männliche Rolle, und das hab ich jetzt auch noch. Mir wurde viel, was ich wollte, geschenkt.
Welcher andere Schauspieler beeindruckt Sie?
Früher fand ich Johnny Depp ganz toll. Vom Theater ist es Lars Eidinger, der an der Schaubühne in Berlin spielt. Er ist ein ganz großer, toller Schauspieler. Ebenfalls vom Theater ist Corinna Harfouch. Also das sind schon diejenigen, wo man aufblickt und die toll findet.
Was macht diesen Beruf so besonders für Sie?
Dass ich jeden Tag das machen kann, was mir Spaß macht. Selbst wenn mal eine Probe ist, wo man keine Lust hat und es doof findet, bereichert es einen trotzdem. Man geht nicht morgens um sieben ins Büro und muss irgendwelche Formulare ausfüllen, sondern man fährt meistens mit dem Fahrrad zu einer Probebühne und wenn gutes Wetter ist, dann sitzt man da und diskutiert über Texte und über Shakespeare und was auch immer so. Das ist schon cool.
Was wollen Sie in der Zukunft noch alles erreichen?
Ich möchte erreichen, dass ich noch ganz lange ganz glücklich bin mit dem Beruf. Also ich möchte gar nicht irgendwie an großen Schauspielhäuser spielen, wenn sich das ergeben sollte, wäre das schon toll, aber ich will mich jetzt nicht bloß auf die Karriere versteifen, sondern einfach schöne Rollen spielen, tolle Leute kennenlernen und vielleicht auch anderen etwas beibringen.

Josefine Kasten

Klasse 10

Gymnasium Crivitz

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