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Kommentar : Paris, Brüssel, Nizza: Was, wenn wir die Nächsten sind?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Kommentar zu Terroranschlägen und zum Umgang miteinander

von
erstellt am 19.Jun.2017 | 11:53 Uhr

Der 13. November 2015 endete mit 130 Toten und 352 Verletzten in Paris. Der Grund: islamistisch motivierte Attentate an fünf verschiedenen zivilen Orten, unter anderem in einem Fußballstadion, einem Rockkonzert und einem Restaurant. In Brüssel gab es am 22. März 2016 35 Tote und über 300 Verletzte. Warum? Zwei Attentäter sprengten sich morgens im Flughafen in die Luft, ein weiterer in der Innenstadt. Der IS bekannte sich dazu. Wenige Monate später, am 14. Juli 2016, überfuhr ein Lkw-Fahrer in Nizza 86 Personen und verletzte über 400 Leute schwer.

All diese Ereignisse schockierten uns als deutsche Nation, führten zu Trauer und Mitgefühl. Aber wir konnten es verkraften. Schließlich betraf es nicht uns. Wir saßen zuhause mit unseren Familien, hörten den Nachrichtensprechern zu, diskutierten die Ereignisse bei einem kalten Bier oder einem trockenen Rotwein, während unsere Kinder friedlich schliefen.

Die Lage änderte sich am 19. Dezember 2016, nur fünf Tage vor Weihnachten, dem Fest der Liebe und Familie. An diesem Montag erinnerten die Glühweine auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an Blut. Zwölf Tote wurden betrauert, 55 Verletzte in Krankenhäusern versorgt. Und all das, weil ein junger Mann mit einem Lkw auf einen Weihnachtsmarkt voller fröhlicher Familien, verliebter Pärchen und Ständen mit weihnachtlichen Leckereien und vielem mehr fuhr. Auch zu diesem Attentat und dem jungen Mann bekannte sich der IS. Doch dieses Mal war es anders. Dieses Mal fand der Terror bei uns statt – nur 200 Kilometer von Schwerin entfernt. Dieses Mal wurden wir angegriffen, unsere Hauptstadt, die Lebensader von Politik, Wirtschaft, Kultur und so vielem mehr.

Aber trotzdem – du und ich sind unversehrt. Deine und meine Familie saßen Heiligabend fröhlich beisammen, mit einem Glas Wein auf das Weihnachtsfest anstoßend. Die Kinder aus deiner und meiner Verwandtschaft packten aufgeregt ihre Geschenke aus und bedankten sich überschwänglich.

Doch was ist, wenn du und ich die Nächsten sind? Denn es kann jederzeit passieren, dass sich ein Selbstmordattentäter, der zum IS gehört, in einer Bar oder in einem Shopping-Center in die Luft sprengt. Was, wenn am nächsten Tag alle Zeitungen und Nachrichtensprecher über uns, die wir zu den Opfern gehören, berichten und all die Leser und Zuhörer über das Ereignis, was wir mit- aber nicht überlebt haben, diskutieren? Und alle Staatsoberhäupter den Deutschen ihr Mitleid aussprechen, aber sich dann wieder abwenden. Was wenn wir beide irgendwann nur noch ein trauriges, aber verkraftbares Ereignis der trivialen Geschichte sind? Was, wenn unser Opfer vergessen wird?

Wie können wir dem entgegenwirken – das ist nun die Frage. Und können wir den Terror überhaupt verhindern? Wir – als einzelne Personen oder als kleine Gruppe? Wahrscheinlich nicht, denn wie sollten wir einfachen Leute Terroristen mit Bomben und Waffen aufhalten! Das wäre einfach nur lebensmüde.

Stattdessen sollten wir nicht nur auf den islamistischen Terror schauen, der die Würde des Menschen missachtet, seine Ideen und Weltvorstellungen nicht toleriert. Denn jetzt mal ehrlich, gehen wir immer würdevoll miteinander um und achten den anderen als die einzigartige Person, die er ist? Ich denke, das tun wir viel zu oft nicht und achten viel mehr auf unser Ego. Ist es wirklich nötig, immer die eigenen Ziele umzusetzen, auch auf Kosten anderer? Muss es wirklich sein, dass wir uns immer selbstverwirklichen, auch wenn wir anderen dadurch schaden? Ich bin der Meinung, dass das nicht so sein muss! Wir sollten lernen, dass wir eine Gemeinschaft sind: Als Deutsche, Europäer und Bewohner dieses Planeten. Wir sollten anfangen zu begreifen, dass wir nur gemeinsam die Welt verändern können. Und vielleicht sogar Hand in Hand mit unseren Mitmenschen den Terror verhindern.

Ein Kommentar von:

Luise Jahn, Klasse 10b, Gymnasium Crivitz „Am Sonnenberg“


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