Altersdemenz : Honig im Kopf

Dieter Hallervorden als Amandus in einer Szene des Kinofilms „Honig im Kopf“.
Dieter Hallervorden als Amandus in einer Szene des Kinofilms „Honig im Kopf“.

Durch den Schweiger-Film begann Lina-Marie über Altersdemenz nachzudenken. Sie hat ihre Gedanken dazu aufgeschrieben:

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15. Juni 2015, 15:20 Uhr

Bedeutet alt werden, dement zu werden? Diese Frage beschäftigt mich, seitdem ich im Kino den Film „Honig im Kopf“ von Til Schweiger gesehen habe.

Der Film erzählt die Geschichte der ganz besonderen Liebe zwischen der elfjährigen Tilda und ihrem Großvater Amandus. Das humorvolle, geschätzte Familienoberhaupt wird zunehmend vergesslich und kommt mit dem alltäglichen Leben nicht mehr klar. Obwohl es allen das Herz bricht, muss man bald einsehen, dass für Amandus der Weg in ein Heim unausweichlich ist. Doch die Enkeltochter will sich auf keinen Fall damit abfinden. Kurzerhand entführt sie ihren Großvater, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: Noch einmal Venedig sehen!

Altersdemenz ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Dabei verliert der Betroffene im Laufe der Zeit Fähigkeiten wie Erinnerungs-, Orientierungs- oder Sprachvermögen. Es ist unvorstellbar und doch offensichtlich. Es ist unfassbar und doch unabänderlich. Es ist lange scheinbar leicht zu ignorieren, aber eines Tages nicht mehr zu bestreiten. Durch den Verlust der geistigen Fähigkeiten verändert sich der Mensch. Seine Persönlichkeit wird eine andere und für die Angehörigen bricht eine schwere Zeit an. Am Anfang hat man noch die Hoffnung, es gibt sich wieder. Schließlich gibt es doch Medikamente, die den Fortschritt der Krankheit aufhalten bzw. verzögern sollen. Deren tatsächliche Wirkung scheint jedoch nicht endgültig bewiesen, denn der geliebte Mensch verliert sich allmählich in seinen eigenen Gedanken und wird am Ende des Krankheitsverlaufs auf seine Instinkte, Gefühle und Reflexe herabgesetzt. Letztlich kann er seine Körperfunktionen nicht mehr kontrollieren und ist auf Hilfe angewiesen. Auf unsere Hilfe!

Niemand weiß wirklich, wie Demenzkranke denken und fühlen. Der Mensch, den man glaubte zu kennen, ist einfach nicht mehr derselbe. Vorher ist einem nie etwas aufgefallen. Auf einmal vermischt sich die Gegenwart mit der Vergangenheit. Es gibt Momente, da ist scheinbar alles wie früher, aber dann passieren plötzlich Dinge, die man als Familienmitglied nur schwer ertragen kann.

Depressionen, die das Krankheitsbild begleiten, machen das Zusammenleben mit dem Betroffenen oft sehr schwierig. So passiert es auch, dass Demenzkranke unter Warnvorstellungen leiden und die eigene Familie als Bedrohung ansehen. In manchen Fällen werden auch Angehörige beschimpft und beschuldigt, Dinge getan zu haben, die teilweise völlig unsinnig scheinen. Widerspruch ist da in der Regel zwecklos, denn der Kranke lässt sich von seinen Gedanken nicht abbringen. Später werden sogar die eigenen Kinder zu Fremden.

Es ist wirklich traurig, mit ansehen zu müssen wie zum Beispiel die geliebte Oma oder der geliebte Opa einfach „nicht mehr wieder kommen“. Sie entfernen sich mit zunehmender Zeit von ihren Angehörigen und leben in ihrer „eigenen Welt“, zu der wir Außenstehenden keinen Zutritt finden.

Jeder muss im Umgang mit so einem Schicksal seinen eigenen Weg finden. Beratungsstellen für Demenz können betroffenen Angehörigen dabei eine Hilfe sein. Doch es bleibt traurig und schockierend zugleich, mit anzusehen, wie sich der Krankheitszustand des dementen Menschen scheinbar täglich verschlimmert. Und trotzdem sollte man diesen schweren Weg - so lange es irgendwie geht – gemeinsam als Familie gehen.

Lina-Marie Lemcke, GSZ “Felix-Stillfried“ Stralendorf

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