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Interview : Eine neue Tierarztpraxis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Merle Guschewski und Lee Ann Twardowski haben Tierärztin Heike Müller viele Fragen gestellt

von
erstellt am 13.Mär.2017 | 10:00 Uhr

Seit mittlerweile zehn Jahren ist sie Tierärztin. Heike Müller hat eine Praxis in Gadebusch. Mit Merle Guschewski und Lee Ann Twardowski hat sie über ihren Beruf, ihren Werdegang und über ihre nicht mehr ganz neuen Räumlichkeiten gesprochen.

Warum eröffneten Sie in Gadebusch eine Tierarztpraxis?
Heike Müller: Mein Lebensgefährte und ich wollten zwischen den Wohnorten unserer Familien und einer Stadt, in der es noch nicht allzu viele Tierärzte für Kleintiere gibt, eine „goldene Mitte“ finden, um bei unseren Familien zu sein und eine Lebensgrundlage zu haben.

Haben Sie sich bereits eingelebt? Gab es Probleme?
Ja, am Anfang, als wir im August 2016 die Praxis eröffnet haben, lief es sehr gut, aber dann – nach 14 Tagen – kam die Baustelle, und diese warf uns natürlich ein ganzes Stück zurück. Es kamen zwar die, die uns bereits kannten, aber deren Tiere sind ja nicht immer krank, so dass wir schon ein bisschen kämpfen und hart arbeiten mussten. Dabei haben wir sowohl die Zeitung als auch die sozialen Netzwerke für Werbung in Anspruch genommen.

Wo haben Sie studiert und welche Berufserfahrung haben Sie?
Ich habe in Hannover studiert und bereits Erfahrungen in verschiedenen Kliniken wie Lüneburg, Quickborn und Schwerin sammeln können. In vielen anderen Kliniken und Tierarztpraxen habe ich als Vertretungsärztin gearbeitet, wie beispielsweise in Flensburg, Solingen oder auch München.

Warum empfehlen Sie ihren Beruf weiter?
Welche positiven und welche negativen Seiten gibt es? Das Schöne ist, jeder Tag ist anders und jeder Fall ist ein kleiner Kriminalfall, weil Tiere ja nicht sprechen können. Um herauszufinden, um welche Krankheit es sich handeln könnte, muss man immer ein bisschen forschen. Die Arbeit ist daher sehr vielfältig. Und nicht zu vergessen der Kontakt mit solchen Menschen, denen etwas wichtig ist. Aber der Beruf eines Tierarztes hat auch negative Seiten, etwa wenn man den Tieren nicht mehr helfen kann. Auch die Entscheidung, ein Tier einzuschläfern, um es von seinem Leiden zu erlösen, gehört zu den Aufgaben eines Tierarztes.

Man sollte mehr als nur eine Woche in einer Praxis mitgearbeitet haben, weil es auch ein enormer Druck ist, dem nicht jeder standhält. Das Studium – wenn man fleißig ist – schafft jeder, aber danach kommt das Schwierige, denn man benötigt neben dem Fleiß beim Studium auch starke Nerven in der Praxis. Man hat nach dem Studium zwar die Kompetenz, die Tiere zu behandeln, aber die praktische Erfahrung fehlt. Deshalb finde ich es wichtig, nicht nur im Studium zu lernen, sondern sich in verschiedenen Praxen umzuschauen, um viele Methoden und Möglichkeiten kennenzulernen, um herausfinden zu können, wie und mit welcher Methode man selbst arbeiten möchte.

Welche Tiere behandeln Sie?
Früher habe ich Klein- und Großtiere behandelt (außer Pferde), aber jetzt im Moment behandle ich nur Kleintiere.

Was gehört alles zum Beruf eines Tierarztes?
In der Sprechstunde untersuche ich die Tiere und nach der Sprechstunde müssen alle Daten und Fakten aufgearbeitet werden. Laboruntersuchungen müssen verschickt und die Ergebnisse ausgewertet werden, so dass neben den Untersuchungen noch ein großer Teil an Arbeiten anfällt, den die Besitzer der behandelten Tiere gar nicht sehen. Dazu kommen auch die Hausbesuche oder Notfälle, zu denen man gerufen wird. Aber selbst, wenn jemand merken sollte, er schafft es körperlich oder auch psychisch nicht, kann man zum Beispiel auch im Veterinäramt, an Schulen, wo Tierarzthelferinnen ausgebildet werden, oder auch an Universitäten arbeiten. Der Beruf ist daher sehr vielfältig.

Ist der ebenfalls in Gadebusch ansässige Tierarzt eine Konkurrenz?
Nein, das denke ich nicht. Herr Dr. Makowei hat mir bei der Eröffnung persönlich gesagt, dass er es gut findet, dass ich meine Praxis eröffnet habe. Darüber hinaus behandelt er überwiegend Pferde und nur zu einem geringen Teil Kleintiere, so dass wir uns beide nicht als Konkurrenten sehen.

Zu welcher Jahreszeit kommen denn die meisten Tiere in Ihre Praxis?
Die Tiere werden zu jeder Jahreszeit in meine Praxis gebracht, sie haben lediglich unterschiedliche Krankheiten. Im Herbst und Winter z.B. haben sie oft Husten, im Sommer hingegen, wenn sie viel draußen sind, kommt es häufiger vor, dass Tiere angefahren worden sind.

Möchten Sie Ihre Praxis noch erweitern?
Nein, ich möchte sie nur stabilisieren, um davon leben zu können, damit für mich als Frau und Mutter noch Kraft und Zeit für die Familie bleibt.

Arbeiten Sie alleine oder haben Sie Angestellte?
Ich habe zwei Teilzeitkräfte eingestellt, so dass sowohl die Vormittagssprechstunde von 8 bis 12 Uhr als auch die Nachmittagssprechstunde von 16 bis etwa 18 oder 19 Uhr abgesichert ist.
 

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