Den Teufelskreis durchbrochen

Finstere Biografie (Symbolfoto) mit lichtem Ausgang: Frank Plamp brachte sich im Gefängnis Lesen und Schreiben bei, begann ein neues Leben. Der heute 43-Jährige hat  aus seinen Fehlern gelernt und warnt heute Jugendliche vor gefährlichen Verführungen.
Finstere Biografie (Symbolfoto) mit lichtem Ausgang: Frank Plamp brachte sich im Gefängnis Lesen und Schreiben bei, begann ein neues Leben. Der heute 43-Jährige hat aus seinen Fehlern gelernt und warnt heute Jugendliche vor gefährlichen Verführungen.

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22. Mai 2013, 06:21 Uhr

Schwerin | Kürzlich war schon zum zweiten Mal Frank Plamp zu Gast bei uns in der Schulwerkstatt "fit for life" der Caritas und erzählte über seine Vergangenheit. Und seine Zukunft. Der Vortrag und das Gespräch haben uns so beeindruckt, dass wir den Lesern der SVZ darüber erzählen müssen.

Frank ist heute 43 Jahre alt. Seine Kindheit war schrecklich. Der Vater war Alkoholiker, tyrannisierte und schlug ihn und die Mutter auch. Sie hat sich nicht gewehrt. Bis sie zum Schluss dem Vater eine Pfanne über den Kopf schlug, weil er versuchte, mit der Gabel die Hand der Schwester auf dem Tisch festzunageln. Dann trennte sie sich von ihm und zog mit Frank und seiner Schwester in eine andere Stadt. Sie lernte einen neuen Mann kennen und durch ihn auch den Alkohol, sie trank immer mehr, die Kneipe war ihr liebster Ort.

Frank haute von zu Hause ab. Er blieb bis zu drei Wochen weg, lebte in selbstgebauten Häusern in einem Wald. Er musste klauen, um etwas zu essen zu haben. Oft wurde er mit der Polizei zur Schule gebracht, Frank galt als Schulschwänzer. Es ging schnell, dass er in Banden geriet. Er ist nicht gerade groß und war damals schmal gebaut, und doch war er der höchst Angesehene in der Gang: Er geriet absichtlich in Schlägereien, hat mehr geklaut, als er brauchte und wurde mehrmals von der Polizei gesucht.

Dadurch kam Frank oft ins Gefängnis, immer wieder, und er kam zu zweifelhaftem Ruhm bei den falschen Leuten. Kaum wieder draußen, wurde er wieder gesucht. Das ging monatelang so weiter. Bei einem Fremden erzwang er sich Unterschlupf. Der setzte sich zur Wehr. Frank war stärker. Der Fremde starb. Frank wurde verurteilt zu zwölf Jahren Haft. Wegen bewaffneten Fluchtversuchs mit Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt bekam er noch mal acht Jahre dazu. Er saß ein und hatte plötzlich Zeit. Ganz viel Zeit. Lesen und schreiben konnte er nicht, aber er hatte einen unbändigen Willen.

Frank bestellte sich Zeitungen und fing an zu lesen. Dies tat er heimlich, er wollte sich nicht als Analphabet outen. Frank bekam eine Arbeit als Hausmeister im Gefängnis, die Arbeit erledigte er vernünftig. Er bewarb sich in der Gefängnisbücherei - bekam den Job aber nicht, seine Vergangenheit war der Grund. Fünf Jahre später bewarb Frank sich erneut. Diesmal bekam er den Job und arbeitete.

Nebenbei stach er sich mit einer selbstgebauten Tattoomaschine sein erstes Bild. Obwohl es aus heutiger Sicht nicht sehr schön geworden ist, würde er sich nie davon trennen. Er sagt, es gehört zu seinem Leben dazu. Und er beschönigt nichts. 2009 wurde Frank entlassen. Er ist nun trockener Alkoholiker, hat Frau und Kind. Hauptberuflich führt er ein Tattoostudio in Ribnitz-Damgarten. Seine Motive sind ungewöhnlich, bekannt und beliebt.

Er hat es geschafft und warnt heute Jugendliche vor Verführungen, die Gefahren bergen. Es ist so, dass er sich noch jeden Tag daran erinnert, was er dem Mann von damals antat. Entschuldigen kann er sich nicht mehr. Er bereut. Und er sagt: "Nimm Dein Leben in die Hand. Sag ja zum Leben." Sein Motto ist: "Wer ja sagt, muss auch etwas tun. Und nicht ein ,Nein produzieren, um eine Entschuldigung zu haben!"

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