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Mauerfall : Noch heute sehr bewegend

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lukas Hefert verfolgt jedes Jahr die Fernsehbeiträge zum Mauerfall und fragt sich: Was bedeutet das eigentlich für mich?

von
erstellt am 12.Jan.2015 | 09:12 Uhr

Jahr für Jahr wird am 9.November dem Mauerfall gedacht – im vergangenem Jahr zum 25. Mal. Jährlich werden Reportagen mit Original-Aufnahmen der Geschehnisse am 9. November 1989 im Fernsehen gezeigt.

Für mich zeigt sich eine völlig andere Welt als die, in der ich lebe. Die Städte wirken grau und kaputt, es gibt keine Supermärkte, wie ich sie kenne. Vieles höre und sehe ich, verstehe es aber nicht. Dann reden wir zu Hause darüber. Meine Eltern erzählen mir über lange Schlangen vor den Geschäften, wenn es mal Bananen gab. Die Schlangen gab es aber auch an Fleischereien, wenn es einmal in der Woche Fleisch gab, an Musikläden, wenn es neue Schallplatten gab oder an Kleidungsgeschäften, in denen es jeden zweiten Montag neue Ware gab. Es gab eine begrenzte Anzahl von Produkten und davon oft nicht genug für alle. Grund dafür war, dass so viele Waren wie möglich exportiert werden mussten, um Devisen zu erhalten. Auf ein Auto musste man 14 Jahre warten. Baumaterial oder Ersatzteile waren knapp. Mit dem Vorhandenen wurde improvisiert.

Bis zum Mauerfall durften nur bestimmte Länder bereist werden. In Länder, wie zum Beispiel Dänemark, Niederlande, Schweden und Norwegen, in denen ich schon war, durfte man nicht. Das ist für mich nicht vorstellbar.

Und spätestens an diesem Punkt habe ich erkannt, was der Mauerfall für die DDR-Bürger bedeutet. Die neu erlangte Reisefreiheit bedeutete nicht nur, dass alle Länder bereist werden durften, sondern brachte viele Familien wieder zusammen, die durch den Mauerbau am 13. August 1961 getrennt wurden.

Mit jedem Mal, also jedem Jahr, wird mein Verständnis für die Geschehnisse besser und die Bedeutung dieses Ereignisses für die Menschen, die es miterlebt haben, bewusster.

Ich finde es wichtig, dass der Mauerfall wie auch die Wiedervereinigung Deutschlands ein Thema bleibt, weil beides zur deutschen Geschichte gehört wie der 2. Weltkrieg oder die Teilung Deutschlands. Nur diesmal im positiven Sinn.

Durch das Gesehene und Gehörte stelle ich mir vor, wie es wäre, in der DDR zu leben. Auch wenn meine Eltern sagen, sie haben als Kind nichts vermisst, weil sie es nicht anders kannten, bin ich froh, nicht in der DDR gelebt zu haben.

Es gab viele schlimme Geschehen, wie die Mauertoten, die mir Angst machen. Auch möchte ich auf viele Dinge des täglichen Lebens, die ich als normal empfinde, nicht verzichten.

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