Fußball-Derby für Blinde : Hansaspiel mit anderen Augen sehen

Die beiden Moderatoren des Blindenradios, Thomas Weggen (l.) und Sven Gaede. Foto:  Annika Wolgast
Die beiden Moderatoren des Blindenradios, Thomas Weggen (l.) und Sven Gaede. Foto: Annika Wolgast

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28. März 2013, 11:19 Uhr

Wittenberge / Rostock | Am 23. März hatte ich die Chance im Ostseestadion beim Heimspiel des FC Hansa Rostock gegen den SV Darmstadt 98 eine Produktion des Blindenradios zu verfolgen.

Seit 3 Jahren moderieren Sven Gaede und Thomas Weggen für die blinden- und sehbehinderten Fans des FC Hansa Rostocks vom Fanclub "Blindfische" das Blindenradio. Die beiden Moderatoren sind selbst Hansa-Fans, Thomas seit 27 Jahren und Sven seit 17 Jahren. Auf die Frage, ob es ihnen Spaß macht zu moderieren, antwortete Sven Gaede: "Ja, es ist sehr lustig mit Thomas zu moderieren, außerdem tut man etwas Gutes und das ist schön".

Trotz der eisigen Kälte kamen einige Sehbehinderte ins Stadion. Kurz vor Spielbeginn bekam jeder von Thomas Weggen Kopfhörer und einen Empfänger. Weiter oben moderierten die beiden das Spiel. Ich selbst stand neben ihnen und hörte die Moderation genau wie sie selber über die Kopfhörer. Sie moderieren nicht nur das Blindenradio, sondern auch manchmal das Hansa-Fanradio bei Auswärtsspielen. Die beiden gut gelaunten jungen Leute moderieren in der Form einer Audiodeskription, auch akustische Bildbeschreibung genannt. Dieses Verfahren ermöglicht es Blinden und Sehbehinderten, die Vorgänge, die wir mit den Augen sehen, besser wahrzunehmen, zum Beispiel mit Beschreibungen wie "mit dem Bein in Langform hin gegrätscht" oder "sie hüpfen", oder Erklärungen, etwa wo sich der Ball befindet und wie weit der Spieler oder der Ball vom Tor entfernt ist. Natürlich wollen die Sehbehinderten auch wissen, was die Spieler anhaben und welche Farbe die Sachen haben. All das haben Thomas und Sven beachtet und grandios umgesetzt.

Bernd Roshmannek, einer aus dem Fanclub "Blindfische", ist bei jedem Heimspiel mit dabei. Mit lobenden Worten sagte er: "Wir hatten noch kein einziges Mal einen Ausfall, so dass uns immer ein Moderator zur Verfügung stand, auch wenn es minus zehn Grad oder die Straßen voll Schnee waren." Er selbst hat noch einen Sehrest von zwei Prozent. "Die meisten Sehbehinderten, die zu den Heimspielen kommen, konnten einmal sehen. Einer arbeitete früher als Maurer, eine andere als Sozialpädagogin. Durch die Moderation von Thomas und Sven können wir uns das Spiel besser vorstellen da wir mal gesehen haben", erklärte mir Bernd.

Persönlich finde ich es sehr schön, dass es Leute wie Sven und Thomas gibt, die eine solche ehrenamtliche Tätigkeit in ihrer Freizeit machen und den Blinden somit die Atmosphäre im Stadion und die akustische Beschreibung des Spieles ermöglichen. Ein Highlight des Tages war, dass Marit Scholz vom Medien & Kommunikation Veranstaltungsmanagement mir ein paar Innenräume des Stadions zeigte. Besonders gefallen hat mir dabei der Weg durch den Spielertunnel. Ein großes Dankeschön an Thomas Weggen und Sven Gaede für das detaillierte Beschreiben und Erklären der Funktion des Blindenradios; genauso an Bernd Roshmannek für das interessante Interview. Ein großes Dankeschön auch an Marit Scholz, die mir diesen wunderbaren Tag ermöglicht hat.

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