Parchim : Das nennt man Toleranz!

Gemeinsam Zeitung lesen  mögen (v.l.n.r.) Alexandra, Tuana, Anna-Lena, Chantal, Ameline, Kaya, Haprit und Dennis
Gemeinsam Zeitung lesen mögen (v.l.n.r.) Alexandra, Tuana, Anna-Lena, Chantal, Ameline, Kaya, Haprit und Dennis

In der Klasse 3b der Grundschule West in Parchim lernen 19 Kinder aus zehn Ländern gemeinsam.

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11. Januar 2016, 15:18 Uhr

Jeden Morgen sind wir gespannt, wo die Zeitung, die SVZ, liegt. Wenn sie auf dem Arbeitstisch liegt, dann dürfen wir sofort starten mit Lesen, noch bevor es zum Unterricht klingelt, denn wir sind Zisch-Teilnehmer.

Vor einiger Zeit waren wir sehr aufgeregt und hatten viele Fragen zu den Terroranschlägen in Frankreich. Tom sagte, er hat davon geträumt und sehr schlecht geschlafen. Antonia äußerte sich ängstlich und Obelina musste erst einmal mit ihren Verwandten in Paris telefonieren. Zum Glück ist ihnen nichts passiert.

Wir haben dann lange mit unserer Lehrerin, Frau Wilzewski, über diese schlimmen Dinge gesprochen. Verstehen können wir solche Anschläge nicht, denn eigentlich muss man doch immer über alles sprechen, was man anders findet. So halten wir es im Alltag, denn auch wir sind nicht immer einer Meinung.

An unserer Schule, der Grundschule West in Parchim, lernen Kinder, die aus vielen verschiedenen Ländern zu uns gekommen sind und jetzt hier leben. In unserer Klasse, der Klasse 3b, sind 19 Mädchen und Jungen aus zehn verschiedenen Ländern. Die meisten kennen sich schon zwei oder drei Jahre, Einige aber erst seit ein paar Monaten.

Wir wollten mehr über die ehemaligen Heimatländer unserer Mitschüler erfahren. Dafür hat unsere Klassenlehrerin, Frau Wilzewski, eine große Weltkarte an die Pinnwand gehängt. Dann bereiteten wir uns mit vielen Fragen auf kleine Interviews vor.

Dann wurde es ganz schön schwer: Jemandem Fragen zu stellen, zu zuhören, alles im Kopf zu behalten und dann noch aufzuschreiben – wir brauchten Hilfe. Also unterstützen uns einige Eltern und unsere Lehrerin.

So erfuhren wir von Haprits Familie, dass sie im Jahr 2012 aus Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, zu uns kamen. In Haprits alter Heimat war Krieg. Jana fragte ihn warum und erfuhr, dass sich die Menschen dort wegen ihrem Glauben so sehr streiten. Aber wir haben doch auch alle einen unterschiedlichen Glauben, gab Jana zu bedenken, und streiten uns deshalb nicht. Das nennt man Toleranz!

Auch Amelines Familie ist von sehr weit hergekommen, aus Togo, das liegt in Afrika. Michail hat von Ameline erfahren, dass in Togo nicht alle zur Schule gehen können und dass es dort viele verschiedene Gläubige gibt, die sich wegen der Unterschiede nicht vertragen. Er erfuhr auch, dass es in der Stadt Bassan, die im Norden von Togo liegt, sehr gefährlich war zu leben.

Es gibt auch einige Länder, da ist der Krieg zwar schon lange vorbei, aber die Politiker dort machen es bestimmten Menschen sehr schwer, friedlich und vor allem angstfrei zu leben. Das erfuhr Antonia von Alexandra und Obelina, deren Eltern aus Armenien stammen. Manche Menschen fragen auch in Deutschland an, ob sie hier arbeiten dürfen und möchten für ihre Kinder ein besseres Leben.

Chantal war sehr erstaunt darüber, als Haprit ihr erzählte, dass man in einigen Ländern Geld für die Schule bezahlen soll oder gar nicht in die Schule gehen darf, wenn man ein Mädchen ist. Wenn unsere Mitschüler mit Verwandten in ihrer alten Heimat telefoniert haben oder sogar Besuch bekommen haben, dann berichten sie uns immer aktuelle Nachrichten aus der ganzen Welt – ob aus Kasachstan, aus Russland, der Ukraine, ob aus Serbien, aus Afghanistan, Armenien oder der Türkei. So haben wir schon viel über diese Länder erfahren und finden das sehr spannend. Und wir kennen Rezepte aus vielen Ländern. Manche Sprachen hören sich für uns lustig an und es macht Spaß, sie nachzusprechen.

Wir alle helfen jedem, der zu uns in die Klasse kommt und gemeinsam lernen wir mit ihm oder ihr die deutsche Sprache. Das ist wichtig, damit wir uns unterhalten können.
Wir finden es total dumm, dass sich Menschen so sehr auf der Welt streiten und können denen nur sagen: es geht auch anders, vielleicht solltet ihr mal von uns Kindern lernen: friedlich mit Toleranz, denn Toleranz kommt bei uns von toll !

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