Laage : Wie Musik Leben rettet

Esther Bejarano und die „Microphone Mafia“
Esther Bejarano und die „Microphone Mafia“

Rezensiert: Klasse 10a des Recknitz-Campus Laage besuchte Theaterstück mit Auschwitz-Überlebender in Güstrow.

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28. Dezember 2017, 15:18 Uhr

Einige Schüler der Klasse 10a des Recknitz-Campus Laage erlebten im Güstrower Barlachtheater die Vorstellung „La Vita Continua“. Die 93-jährige Esther Bejarano, die das Stück mit der „Microphone Mafia“ aufführte, hat die Gefangenschaft im Konzentrationslager Auschwitz überlebt und thematisiert auf der Bühne diese Zeit. Am Jahrestag der Reichspogromnacht war sie nun in Güstrow und bot ein beeindruckendes Theaterstück, wobei man es nicht wirklich als normales Theaterstück bezeichnen kann, da auch Lieder wie „Wann jeiht dr Himmel widder op“, „Zu Ejns, Zwej, Drej“ oder „Avanti Popolo“ gesungen wurden. „Konzerttheater” ist da meiner Meinung nach die bessere Bezeichnung.

Im Mädchenorchester in Auschwitz

Als wir in den Theatersaal kamen, war dieser schon ziemlich voll. So gut wie vollständig besetzt, könnte man sagen. Mein erster Gedanke war: „Wenn es hier so voll ist, kann das Theaterstück ja nur gut werden.“ Und das hat sich größtenteils auch bestätigt. Am Anfang stellte Esther Bejarano einen Teil aus ihrem Buch „Erinnerungen: Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts“ vor und gab einen Einblick in ihr Leben im KZ, wobei sie alles mit Beschreibungen von Gefühlen und tiefgründigen Erklärungen interessanter und nachvollziehbarer machte. So erklärte sie, welche Funktion das Mädchenorchester in Auschwitz hatte und wie ihr ihre Musikalität das Leben rettete. Danach kam die „Microphone Mafia“ dazu, zwei Männer, die sich als Sohn und „eingeenkeltes“ Enkelkind von Esther Bejarano vorstellten – sie hatte ihn in ihrer herzlichen Art so lieb gewonnen, dass sie ihn einfach zu ihrem Enkel erklärte.

Nachdem sie erzählten, wie die Rap-Band und die Auschwitz-Überlebende 2009 zusammengefunden hatten, sangen sie mit und ohne Esther Bejarano Lieder, die das Leid in den Konzentrationslagern und die Gedanken über die rechtsextreme Gewalt ausdrücken. Es waren sogar Lieder in jiddischer Sprache dabei. Zwischen den Liedern gab es interessante Begebenheiten aus ihrer gemeinsamen Geschichte und auch deutliche politische Statements zur aktuellen Flüchtlingspolitik – ohne Gegenwart kann man nach Meinung der Band nicht über die Vergangenheit sprechen.

Gemischte Gefühle nach Konzerttheater

Nachdem wir den Theatersaal verlassen hatten, hatte ich gemischte Gefühle. Enttäuschung darüber, dass Menschen so mitleidlos waren und es teilweise wahrscheinlich immer noch sind, Mitgefühl für Esther Bejarano, weil sie so etwas Schreckliches miterleben musste, Achtung ihr gegenüber, weil sie die Gefangenschaft überlebt hat und es geschafft hat zu fliehen, bis hin zur Hoffnung, dass es so etwas nicht noch einmal geben wird. Im Großen und Ganzen fand ich das Theaterstück sehr interessant. Jedoch finde ich, dass die zweite Hälfte des Stückes, in der die Lieder gesungen wurden, etwas lang gezogen und sehr laut war. Es war allerdings nicht so fatal, dass die komplette Vorstellung darunter gelitten hat, und ich empfehle das Theaterstück nichtsdestotrotz jedem, der sich dafür interessiert, wie das Leben im KZ war und wie sich die Menschen dort gefühlt haben, da das „Konzerttheater” doch viele Informationen darüber gegeben hat. Außerdem ist die Kombination aus Geschichte und Rap-Musik sicherlich nicht oft auf einer Theaterbühne zu finden.
 

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