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Angehende Lehrer : Mit Würfelspielen Deutsch lernen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Jugend-, Sprach- und Begegnungszentrum betreibt Sprachförderung an 18 Rostocker Schulen. Davon profitieren nicht nur die Schüler, sondern auch Lehramtsstudenten.

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erstellt am 15.Mai.2014 | 18:00 Uhr

Andrea Pecnik ist halb Kroatin, halb Slowenin, aber aufgewachsen in der Schweiz. Seit 2009 lebt sie in Deutschland, seit 2011 in der Hansestadt Rostock. Als sie 15 Jahre alt war, hat sie ihren Geburtsort verlassen: „Wir zogen nach Kroatien, in die Heimat meiner Mutter“, erzählt sie. Dort musste sie eine prägende Erfahrung machen: Obwohl sie bilingual aufgewachsen ist, war sie plötzlich Migrantin. „Ich kann nachvollziehen, wie sich Kinder fühlen, die in einem fremden Land zurechtkommen müssen“, sagt Pecnik. Und weil die Sprache ihr neue Welten geöffnet hat, engagiert sie sich seit einem Jahr im Jugend-, Sprach- und Begegnungszentrum (JSBZ). Dort arbeitet sie mit jungen Lehramtsstudenten zusammen – und zwar in einem Sprachförderungsprojekt.


Angehende Lehrer schnuppern Praxisluft


Kinder mit Sprachdefizit erhalten einmal wöchentlich nach der Schule eine besondere spielerische Förderung. „Wir betreuen Kinder an Grund- und weiterführenden Schulen. Insgesamt sind wir an 18 Rostocker Schulen aktiv“, erzählt Andrea Pecnik. Mit dabei seien unter anderem die Krusensternschule in Schmarl, der Schulcampus Evershagen und die Grundschule am Margaretenplatz. Betreut werden durchschnittlich drei bis sechs Kinder in einer Gruppe. Finanziert wird die Förderung größtenteils aus dem Sozialprojekt „Aktion Mensch“. Die Studenten arbeiten ehrenamtlich. „Bevor es losgeht, bekommen sie Weiterbildungen. So werden sie auf die Praxis vorbereitet. Beim ersten Termin in der Schule werden sie von uns begleitet. Danach gestalten sie die Förderstunden alleine. Wir sind aber jederzeit Ansprechpartner“, so Pecnik. Bis zu zehn Weiterbildungsmaßnahmen organisiert das JSBZ in einem Halbjahr. Die 21-Jährige Hannah Wilke nimmt regelmäßig an den Veranstaltungen teil. Sie will später Französisch- und Religionslehrerin werden. Derzeit studiert sie im vierten Semester. Seit einem Jahr unterstützt sie Kinder mit Migrationshintergrund beim Deutschlernen. „Im Studium fehlt oft der Praxisbezug“, bedauert sie. Umso wertvoller sei die Zeit in den Förderstunden. „Die Kinder wissen, ich bin noch keine richtige Lehrerin. Deshalb haben sie nicht solche Berührungsängste. Bei mir trauen sie sich, deutsch zu sprechen.“ Hannah Wilke ist mittlerweile so etwas wie eine Freundin für ihre Schützlinge geworden. „Ich bin eine Art Bezugsperson. Ich bin da, wenn sie Fragen haben. Dabei gehen wir dennoch respektvoll miteinander um“, so die 21-Jährige.


Es funktioniert: Kinder verbessern sich


Und genau das sei der richtige Ansatz bei der Sprachförderung. „Das Lernen wird so verpackt, dass gar nicht auffällt, dass gelernt wird. Der Spaß soll bleiben“, erklärt Susanne Müller. Die 30-jährige Erziehungswissenschaftlerin hat das Projekt mit aufgebaut. „Es war zunächst nur auf weiterführende Schulen ausgelegt. Da geht es um die Abschlüsse der Jugendlichen. Ich habe mich für eine Erweiterung auf die Grundschulen eingesetzt. Dort werden die Grundlagen des Sprachenlernens gelegt.“ Durch Spiele wie „Memory“ oder „Tabu“ würden die Kinder nach und nach ihr Vokabular erweitern. „Wenn ich Spaß habe beim Lernen, dann ist die Garantie, dass ich mir das Gelernte merke, einfach höher“, weiß Müller. Bei den Schülern funktioniere das Konzept. Diese würden ihre Leistungen kontinuierlich verbessern.

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