zur Navigation springen

In der Kinderstadt regiert Claudia

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2013 | 09:24 Uhr

Rostock | Lilly ist heute etwas spät dran und muss sich ganz hinten in der langen Schlange anstellen. Die Neunjährige wird immer unruhig, denn sie hofft, heute ihren Traumjob zu ergattern - Musiker. Doch das wollen auch viele andere Kinder vor ihr in der Schlange im Einwohneramt. Als sie endlich an der Reihe ist und ihren Stadtausweis bekommt, sind alle Musiker-Jobs schon weg. Die kurze Enttäuschung hält nicht lange an, dann geht es für die aufgeweckte Schülerin eben zu den Kunsthandwerkern. In der nächsten Woche hat sie neue Chance.

In der Kinderstadt im Rostocker Freizeitzentrum (RFZ) steht jeden Mittwoch der Berufetag auf dem Programm. Zwischen 13 und 16 Uhr werden dann aus Schülern Bäcker, Bankangestellte, Journalisten, Schreiner oder Sanitäter. Ziel des Projektes ist es, dass Kinder die Arbeitswelt kennen lernen.

Fünf Schwani in der Stunde - abzüglich der Steuern

Dabei verdienen sie wie im richtigen Leben Geld, allerdings keine Euro, sondern Schwani. "Man bekommt fünf Schwani in der Stunde, einer davon muss aber als Steuer abgegeben werden", sagt Claudia, die Bürgermeisterin der Kinderstadt. Ausgeben können es die fleißigen Schüler, die zwischen sechs und 13 Jahre alt sind, im hauseigenen Schwani-Shop. Dort gibt es alles, was während des Arbeitstages produziert wird - Bastelarbeiten, Schmuck oder Kuchen. "Die Bewohner der Kinderstadt sollen am Berufetag spielerisch lernen, dass man arbeiten muss, um etwas zu bekommen", sagt Jörn Feldhusen vom RFZ. Und die Kinder haben sichtlich Spaß daran. Jede Woche aufs Neue stehen sie in langen Schlangen vor der Arbeitsvermittlung an, um den besten Job zu ergattern. Lilly zum Beispiel hat schon vieles ausprobiert und kommt jede Woche gern wieder. Sie ist außerdem Mitglied der Kinder-Bürgerschaft und erlebt hautnah mit, wie Demokratie funktioniert. Seit 2009 existiert die Rostocker Kinderstadt und bekommt stetig Zuwachs. "Wir suchen noch Verstärkung aus Ortsteilen, die noch nicht vertreten sind", sagt Bürgermeisterin Claudia. Dazu zählen zum Beispiel Groß Klein, Dierkow, Südstadt oder Kröpeliner-Tor-Vorstadt.

Das Projekt hat über die Stadtgrenze hinaus für großes Aufsehen gesorgt. So vertreten Claudia und die Bürgerschaft das Land Mecklenburg-Vorpommern beim Unicef-Junior-Botschafter-Wettbewerb am 10. und 11. Juni in Frankfurt am Main. Dort setzen sie sich stellvertretend für das ganze Land für die Kinderrechte ein. Für die ganze Kinderstadt, die heute etwa 270 Einwohner zählt, ist das eine große Ehre.

Neue Aktion zur Berufsfrühorientierung

Für die amtierende Bürgermeisterin Claudia endet die Zeit in der Kinderstadt Rostock bald. Denn wenn sie ihren 14. Geburtstag feiert, ist sie zu alt für die Kinderstadt. "Ich bin jetzt schon traurig, wenn ich daran denke", sagt Claudia. Denn ihre Arbeit liebt sie sehr. Es sei schon immer ihr Traum gewesen, Bürgermeisterin zu werden. Nun verbringt sie jeden Montag und jeden Mittwoch im RFZ, um ihren Arbeiten nachzugehen. Dazu zählt unter anderem die Kontrolle über den Berufetage.

Feldhusen plant jetzt eine neue Aktion zur Berufsfrühorientierung: "Wir wollen Kinder in die Betriebe führen und ihnen dort die Berufe ganz praktisch vorstellen." Die ersten Unternehmen haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. So können die Schüler schon bald in kleinen Gruppen zum Beispiel eine Gärtnerei oder einen Zoohandel besuchen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen