Regionale Schule Krakow am See : Ein Tag im „Stasiknast“

Krakower Schüler besuchten die Dokumentations- und Gedenkstätte der U-Haft der Stasi in Rostock

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01. Juni 2015, 06:00 Uhr

Vor kurzem erlebten wir, die Schüler der Klasse 10R der Regionalen Schule Krakow am See mit Grundschule, einen sehr interessanten Unterrichtstag in der Dokumentations- und Gedenkstätte der ehemaligen U- Haft der Stasi in Rostock, bei dem wir sehr viel über die Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit erfuhren und die Bedingungen in einer Haftanstalt der Stasi kennenlernten.

Schon beim Betreten des Gebäudes spürten wir, wie sich ein Unwohlsein ausbreitete und das, obwohl es dort längst nicht mehr so düster ist, wie zu DDR-Zeiten. Zu Beginn sahen wir einen Film, in dem sehr anschaulich mit Aussagen von Zeitzeugen die Mittel und Methoden der Stasi und deren Wirkung auf die Betroffenen dargestellt wurden. Bei der anschließenden Führung durch das Haus wurde es für uns richtig spannend. Als erstes besichtigten wir ein Fahrzeug, mit dem die Leute in die Haftanstalt gebracht wurden. Von außen sah es recht unscheinbar aus, wie ein Transporter für Backwaren, doch im Inneren waren mehrere kleine Zellen. Kaum vorstellbar, dass die gefesselten Häftlinge darin bei völliger Dunkelheit mehrere Stunden durch die Gegend gefahren wurden, damit sie die Orientierung verlieren.

Ebenso schwer vorstellbar waren für uns die Haftbedingungen und der psychische Druck, der auf die Gefangenen ausgeübt wurde. Sie wurden gequält und schlecht behandelt, aber nicht, weil sie etwas verbrochen hatten oder jemandem was angetan hatten. Ihr „Vergehen“ bestand darin, dass sie sich für Recht und Freiheit eingesetzt hatten oder dem Unrechtstaat entfliehen wollten.

Überall in dem Gebäude erfuhren wir von den menschenunwürdigen Bedingungen und den Schikanen, denen die Häftlinge wehrlos ausgeliefert waren. Einige von uns fanden die Zellenordnung besonders schlimm, denn die Häftlinge mussten nachts auf dem Rücken liegen und wurden auch im Schlaf überwacht. Wenn sie die Hände nicht auf der Bettdecke hatten, wurden sie mit lautem Türenkrachen und Geschrei geweckt. Auch die Schikanen beim Duschen sind für uns kaum vorstellbar, denn die Wärter regelten die Temperatur des Wassers oder stellten es einfach ab, wenn die Häftlinge sich gerade eingeseift hatten. Das war Teil des Psychoterrors in dieser Haftanstalt. Hinzu kamen stundenlange Verhöre, Schlafentzug, Isolationshaft und als besonders grausame Strafe die Dunkelkammer. Kein Wunder, dass viele Häftlinge unter diesen Bedingungen zusammenbrachen und bis heute an den Folgen leiden.

Wir hatten zwar schon im Unterricht einiges über die Machenschaften der Stasi erfahren, aber an diesem authentischen Ort war es für uns viel anschaulicher und lebendiger. Jedem von uns wurde noch einmal deutlich gemacht, warum wir vom Unrechtstaat DDR sprechen.

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