Traumberuf gesucht : Ausbildung zum Glücksbringer

Die Figur des schwarzen Mannes mit Zylinder und Kehrbesen ist heute neben dem vierblättrigen Kleeblatt und dem Hufeisen eines der bekanntesten Glückssymbole.
Die Figur des schwarzen Mannes mit Zylinder und Kehrbesen ist heute neben dem vierblättrigen Kleeblatt und dem Hufeisen eines der bekanntesten Glückssymbole.

Der Güstrower Schüler Paul Kleinwächter möchte die Familientradition fortführen und Schornsteinfeger werden

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06. März 2019, 17:25 Uhr

Was will ich werden? Diese Frage stellt man sich spätestens in der 8. Klasse, wenn es darum geht, sich einen Praktikumsplatz zu suchen. Für mich stand schon lange fest: Ich werde Schornsteinfeger. Da dieser Beruf bereits von meinem Opa und meinem Onkel ausgeübt wird, wäre ich also die dritte Generation, die dieses Handwerk erlernt.

Nicht nur Schornsteine kehren

Die Voraussetzungen für die Ausbildung sind eine gute mittlere Reife, körperliche Belastbarkeit und ein freundliches Auftreten gegenüber den Kunden. In der dreijährigen Ausbildung lernt man nicht nur das Kehren der Schornsteine und Messen von Heizungs- und Lüftungsanlagen, sondern erlangt ein umfangreiches Wissen über Immissions-, Umwelt- und Brandschutz und über Bau- und Energietechnik. Am Ende des dritten Lehrjahres wird dann die Gesellenprüfung abgelegt. Danach hat man zum Beispiel die Möglichkeit, sich zum Meister zu qualifizieren und einen eigenen Betrieb zu leiten.

Handwerk mit Ursprung in Norditalien

Das Handwerk des Schornsteinfegers gibt es bereits seit etwa 500 Jahren. Die ersten Kaminkehrer kamen aus Norditalien. Sie wanderten über die Alpen, um ihre Dienste anzubieten. Meist waren es Kinder, die „Spazzacamini“, die für ihre „Patrons“ in die Rauchabzüge und Schornsteine klettern mussten, um dort den Rußbelag abzukratzen. Es war eine gefährliche und gesundheitsschädigende Arbeit, die vielen schon in jungen Jahren das Leben kostete.

Erste Schornsteinfegezunft in Berlin

Bald ließen sich die ersten Kaminkehrer in den Städten nieder und wurden sesshaft. So wurde zum Beispiel bereits im Mittelalter die erste Schornsteinfegezunft in Berlin urkundlich erwähnt. Im Gegensatz zu heute war der Kamin zu damaliger Zeit lebensnotwendig. Wenn er verstopft war oder schlecht zog, konnte weder geheizt noch gekocht werden. Außerdem führten ungereinigte Schornsteine oft zu Schornsteinbränden, bei denen durch Funkenflug ganze Stadtteile abbrannten, da die Häuser dicht zusammen standen und meist nur mit Stroh oder Rohr gedeckt waren. Dann war es Glück, wenn der Kaminkehrer da war. So wurde der Schornsteinfeger zum Glücksbringer. Da die dunkle Kleidung und das geschwärzte Gesicht auch ein wenig unheimlich wirkten, hieß es auch im Aberglauben, der schwarze Mann könne böse Geister und sogar den Teufel vertreiben. Solche Geschichten verstärkten sein Ansehen als Glücksbringer.

Tragen des Zylinders mit Stolz

Im 17. Jahrhundert erhielten die Schornsteinfeger auch die Bürgerrechte und tragen bis heute mit Stolz ihren Zylinder. Auch findet einmal jährlich in Italien das Internationale Schornsteinfegertreffen mit großem Festumzug statt, um das Handwerk des Schornsteinfegers zu ehren und zu feiern.

Die Figur des schwarzen Mannes mit Zylinder und Kehrbesen ist heute neben dem vierblättrigen Kleeblatt und dem Hufeisen eines der bekanntesten und beliebtesten Glückssymbole. Und wenn du einen Schornsteinfeger siehst, geh schnell hin, denn es heißt: Wer ihn anfasst oder gar die goldenen Knöpfe an seiner Jacke reibt, dem bringt es Glück.


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