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Thomas-Müntzer-Schule Güstrow : Allein im Dunklen bei Bombeneinschlägen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrower Schülerin Julia Kleinwächter interviewt Zeitzeugin: ihre Uroma Hilde Westphal

Im Deutschunterricht in der Güstrower Thomas-Müntzer-Schule bekamen wir die Aufgabe, ein Interview mit einer Person zu führen, die uns beeindruckt. Für mich ist es meine 90-jährige Uroma Hilde Westphal. Mich haben ihre Geschichten aus früheren Zeiten fasziniert, daher wollte ich noch mehr über ihr Leben erfahren und habe sie interviewt.

Wo bist du aufgewachsen und hattest du Geschwister?

Meine Eltern Karl und Erna Rehberg waren Landwirt und Hausfrau. Ich hatte noch zwei Geschwister, meinen Bruder Willi und meine Schwester Irmgard. Da meine Mutter gestorben ist, als ich fünf Jahre alt war, hat mein Vater wieder geheiratet. Dann habe ich noch zwei Halbgeschwister bekommen, Siegfried und Rita. Aufgewachsen bin ich in Telchlin. Ich bin acht Jahre zur Schule gegangen. Die Schule war fünf Kilometer entfernt. Da mussten wir immer zu Fuß hin und zurück, bei jedem Wetter. Nach der Schule mussten wir auf dem Bauernhof helfen.

Wie hast du den 2. Weltkrieg erlebt?
Unser Dorf wurde zum Glück nicht bombardiert! Wir haben die Bomber jeden Tag nach Rostock und Stralsund fliegen sehen. Nachts konnten wir das Feuer der brennenden Städte sehen. Als ich mir mit 14 Jahren das Bein gebrochen habe, musste ich nach Rostock ins Krankenhaus und habe dort im Streckverband gelegen. Bei Fliegeralarm wurden die meisten in den Schutzkeller evakuiert. Ich konnte aber nicht mit dem Streckverband in den Schutzkeller und musste so oben bei dem Bombenangriff in meinem Bett bleiben. Das war für mich die schlimmste Zeit ganz alleine im Dunkeln da liegen und bei Bombeneinschlägen zuhören.

Wie hast du deinen Ehemann kennengelernt?
Ich lernte meinen Ehemann Karl durch meinen Bruder Willi kennen. Willi und Karl waren zusammen in englischer Gefangenschaft. Willi hatte immer ein Bild von mir mit. Ich habe Karl gleich gefallen, wie er immer sagte. So schrieben wir uns unzählige Briefe und als er 1947 aus der Gefangenschaft kam, hat er mich gleich in Telchlin besucht. Am 17. April 1948 haben wir geheiratet. Am 9. Februar 1949 wurde unsere Tochter Annelise geboren, am 11. Juni 1954 unsere Tochter Ilke und am 13. Mai 1959 unser Sohn Gerhard.

Was hast du früher beruflich bemacht?
Wir hatten von 1952 bis 1958 in Beckendorf bei Boizenburg eine kleine Landwirtschaftssiedlung gepachtet. Danach sind wir in die LPG eingetreten. Mein Mann war Traktorist und ich war in der Viehaufzucht tätig.

Wie ist dein Leben nach dem Tod deines Ehemannes verlaufen?
Mein Mann starb am 11. Februar 1969 im Alter von 50 Jahren. So musste ich alleine meine beiden kleinen Kinder Ilke und Gerhard großziehen. Das war eine schwere Zeit, viel Geld hat man nicht verdient und nun musste das Geld reichen, was ich alleine verdiente, so dass ich oft auf Veranstaltungen und Feiern geholfen habe. Auf Tanzveranstaltung von 20 Uhr bis 2 Uhr bekam ich z.B. 30 Mark. So mussten meine Kinder aber auf nichts Verzichten. Mit 60 Jahren ging ich in Rente, habe aber noch 5 Jahre für die Kinder in unserem Dorfkindergarten gekocht, was mir große Freude bereitet hat
Wie oft bist du durch deine drei Kinder bereits Oma und Uroma geworden?
Ich habe sechs Enkelkinder und schon neun Urenkel.

Was war für dich das Wichtigste im Leben?
Das Wichtigste für mich sind meine Kinder, Enkel und Urenkel. Sie stehen bei mir an erster Stelle. Ich bin stolz auf meine große Familie.


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