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Alle 20 Jahre fällt ein Schuss

Probesitzen: Moritz  fühlt sich einen Moment lang wie ein richtiger Polizist. dabe
Probesitzen: Moritz fühlt sich einen Moment lang wie ein richtiger Polizist. dabe

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30. Mai 2012, 07:51 Uhr

Dierkow | Sie jagen den Bösewichten hinterher und haben stets eine gezückte Pistole in der Hand - so haben sich die Drittklässler des Förderzentrums am Wasserturm den Beruf des Polizisten bisher vorgestellt. Bei ihrem Besuch auf dem dritten Polizeirevier in Rostock mussten die Schüler nun jedoch feststellen, dass diese Vorstellung wenig mit der Realität zu tun hat. So erklärte ihnen die Polizeiobermeisterin Nicole Engel, dass ein Polizist etwa 50 Prozent seiner Arbeitszeit am Schreibtisch verbringt und im Schnitt nur alle 20 Jahre einen Schuss abfeuern muss. "So wie in den Filmen geht es bei uns nicht zu", sagt der Revierleiter Uwe Tredup. Langweilig sei die Arbeit deswegen aber nicht. Im Gegenteil - jeden Tag warten auf die Beamten neue Herausforderungen.

Während die Schüler in der vergangenen Woche im Konferenzraum des Reviers sitzen und fasziniert die Handschellen unter die Lupe nehmen, laufen nebenan Vernehmungen. Insgesamt sind 52 Beamte im dritten Revier beschäftigt, das flächenmäßig das größte in Rostock ist. "Wir haben etwa 42 000 Menschen zu betreuen", sagt Tredup. Die Kinder hören zwar gespannt zu, aber eigentlich warten sie nur darauf, endlich eine Arrestzelle von innen sehen zu dürfen. Dort landen die Schüler wenig später und sind überrascht von dem Anblick. Der leere, geflieste Raum mit einer Klingel ist keine richtige Gefängniszelle, stellt Engel klar. Hierbei handle es sich lediglich um einen Raum, in dem die Gefangenen übergangsweise sitzen, bis sie woanders hinkommen.

Der Kontaktbeamte und Polizeioberkommissar René Kulow stellte den Schülern die Polizeiausrüstung vor. Dazu gehört auch eine Dienstwaffe. "850 Gramm wiegt die Waffe mit Magazin", so Kulow. Der Beamte betont bei dieser Vorführung, dass ein Polizist nur dann eine Waffe auf einen Menschen richtet, wenn er auch wirklich schießen muss.

Dass Pistolen keine Spielzeuge sind, wird den Drittklässlern spätestens klar, als sie sehen, wo die Waffen gelagert werden. In Schließfächern ist jede einzelne Pistole sicher vor Missbrauch. Zusätzlich wird der Waffenraum durch eine Sicherheitstür verschlossen. Ohne Befugnis kommt hier niemand herein. Doch nicht nur eine Dienstpistole haben die Beamten bei sich. Zu ihrer Ausrüstung gehören auch Pfefferspray und Handschuhe. Ein Schüler vermutet, dass die Beamten Handschuhe tragen, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Das stellt Kulow richtig: "Die tragen wir zu unserer eigenen Sicherheit." Wenn die Polizisten jemanden abtasten müssen, können sie sich dadurch vor spitzen Gegenständen schützen. "Übrigens können wir auch Abdrücke von Handschuhen nehmen", merkt Kulow an. Immer wieder während der Führung melden sich in der Hosentasche des Polizeioberkommissars verschiedene Stimmen. Per Funk bleiben die Beamten stets auf dem Laufenden und erhalten ihre Aufträge von den Dienstgruppenleitern.

Spannend für die neugierigen Schüler war vor allem ein Blick in die Polizeiautos. Wo das Martinshorn und das Blaulicht anzuschalten geht, wissen die Drittklässler nun - und auch, wie laut das sein kann. Zum Abschluss des Revierbesuchs durften die kleinen Gäste noch auf dem Polizeimotorrad zur Probe sitzen.

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