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Forschung : Wollmäuse und Staubberge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unter dem Bett, auf dem Schrank – überall sitzt Staub / Forscher untersuchen die Teilchen

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2014 | 16:07 Uhr

Mit den Wollmäusen unter dem Bett hat er bei seiner Arbeit wenig zu tun. Dabei ist Jens Soentgen Staubforscher. Im Interview mit Katharina Hölter erzählt er, was ein Staubforscher so macht, und warum Staub manchmal guttut.

Wo arbeitet denn ein Staubforscher – in einer staubigen Wüste?

Jens Soentgen: Nein, das nicht. Meist arbeite ich mit meinem Team in einer Art riesigem Staubsauger. Wir nennen ihn Mess-Container. Er sieht ähnlich aus wie ein Schiffs-Container. Er steht in der Stadt Augsburg im Süden vonDeutschland. Es ist ziemlich laut dort, weil viele Pumpen laufen.

Was machen Sie in diesem Container?

Wir saugen Luft auf und filtern sie. Danach bleiben nur die feinsten Staubkörner übrig. Die gucken wir uns dann genauer an. Dazu brauchen wir sehr komplizierte Maschinen. Wir lassen zum Beispiel Lichtstrahlen auf die Körner fallen. So können wir sie zählen.

Was wollen Sie damit herausfinden?

Ich interessiere mich vor allem für die Luft in der Stadt. Unsere Stadt ist nämlich wie ein riesiger Staub-Vulkan. Überall brennt und raucht es: aus Schornsteinen, Fabriköfen oder dem Auspuff des Autos. Also findet man viel Ruß in der Luft. Es gibt Staubteile, die sind so klein, dass sie bis in die Lunge hineinfliegen. Das ist ungesund. Menschen mit der Krankheit Asthma haben es in der Stadt schwer und husten viel. Wir wollen herausfinden, wie unsere Luft sauberer wird.

Und wie klappt das?

Wir sollten häufiger das Rad oder den Bus nehmen. Unsere Untersuchungen haben nämlich gezeigt: Sonntags finden wir in unseren Filtern viel weniger Staubteilchen. Das liegt daran, dass an diesem Tag nicht so viele Menschen mit ihrem Auto zur Arbeit fahren.

Ist Staub immer schlecht?

Es gibt auch guten Staub, zum Beispiel am Meer. Im Wasser sammeln sich viele gesunde Bestandteile: Salze oder Jod. Das tut Vielen gut. Und über den Blütenstaub auf dem Land freuen sich die Pflanzen. So können sie sich vermehren.

Putzen Sie denn zu Hause viel Staub?

Ehrlich gesagt: nein. Ich bin da entspannt. Den Kampf gegen den Staub können wir ja eh nicht gewinnen. Er kommt immer wieder.

Was finden Sie eigentlich toll an Staub?

Er ist faszinierend. Es sind die kleinsten Teilchen, die für uns bei Sonnenlicht mit dem Auge gerade noch sichtbar sind.

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