Epilepsie : Wie ein Gewitter im Kopf

Vor einem Jahr haben Ärzte herausgefunden, dass Anna Epilepsie hat. Momentan spielt sie gerne mit Puppen.
Vor einem Jahr haben Ärzte herausgefunden, dass Anna Epilepsie hat. Momentan spielt sie gerne mit Puppen.

Anna (6) muss jeden Morgen Medikamente nehmen. Sie hat eine Krankheit, bei der es manchmal ein Problem im Gehirn gibt.

svz.de von
17. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Anna hat einen langen roten Wollfaden zwischen beide Hände gespannt. Mit ihren Fingern verwebt sie die Schnur geschickt immer wieder ineinander. Nach einer Weile nimmt sie ein Stück des Fadens in den Mund, zieht daran und... der rote Wollfaden nimmt die Form des berühmten Eiffelturms in Paris an. Anna ist sechs Jahre alt und wohnt zusammen mit ihrer Mutter in Köln. Das ist eine Stadt im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Das Fadenspiel ist gerade eine ihrer liebsten Beschäftigungen. „Ich spiele auch gerne mit Puppen. Meine Lieblingspuppe heißt Franziska“, erzählt sie. Außerdem geht Anna einmal die Woche zum Hockeytraining.

Doch bei einigen Dingen muss Anna vorsichtiger sein als andere Kinder. Manches durfte sie auch eine Weile gar nicht machen. Zum Beispiel Fahrrad fahren. Vor einem Jahr haben Ärzte nämlich herausgefunden, dass Anna Epilepsie hat. Das ist eine Krankheit, bei der es manchmal ein Problem mit bestimmten Zellen im Gehirn gibt. Wenn so ein Problem beim Fahrradfahren auftritt, könnte Anna etwa vom Rad fallen und sich verletzen.

Ähnlich wie ein Computer steuert unser Gehirn alle Vorgänge in unserem Körper. Es sammelt Informationen und verarbeitet diese. Außerdem gibt es ständig Befehle. Beim Fahrradfahren wäre das zum Beispiel: Achtung, den Lenker gerade halten! Oder: Beine, ihr müsst schneller in die Pedale treten!

In unserem Gehirn befinden sich Millionen von Nervenzellen. Das sind besondere Zellen. Sie sehen ein bisschen wie lange, dünne Kabel aus. Nervenzellen bringen Informationen von einem Ort zum nächsten. Etwa vom Gehirn in Richtung Beine. Oder von einem Gehirnteil zum anderen. Normalerweise sind nur wenige dieser Zellen auf einmal aktiv. Bei Menschen mit Epilepsie kommt es aber manchmal dazu, dass sehr viele Nervenzellen gleichzeitig Informationen rausschicken. Dann gibt es eine Art Gewitter im Gehirn. „Wenn das passiert, verliert der Mensch oft das Bewusstsein und die Kontrolle über seinen Körper“, erklärt der Experte Bernd Neubauer.

Anna hat eine Form der Epilepsie, bei der sie nur wenige Sekunden das Bewusstsein verliert. Hat sie solch einen Anfall, sieht es so aus, als ob sie einen kurzen Moment eingefroren wäre. Genau das ist Annas Mutter vor einem Jahr immer mal wieder aufgefallen. „Ich habe mich beim Abendessen gewundert, dass sie in eine Richtung schaut und nicht auf meine Fragen antwortet“, erzählt sie.

Ärzte haben dann festgestellt, dass Anna Epilepsie hat. Seitdem hat sich für sie einiges verändert. Zum Beispiel machen Ärzte bei ihr nun regelmäßig eine spezielle Gehirnuntersuchung. Außerdem muss sie morgens und abends Medikamente nehmen. „Die Medizin schmeckt nicht gut. Deshalb bekomme ich sie immer mit Multivitaminsaft“, erzählt Anna. Manchmal wird ihr davon schlecht oder sie bekommt Kopfschmerzen.

Doch das Gute ist: Seitdem sie die Medikamente nimmt, hatte sie keinen Epilepsie-Anfall mehr. Und weil das so ist, darf sie jetzt auch wieder Fahrrad fahren.

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