Filmgeschichte : Wie die Bilder laufen lernten

Lebensrad und alte Filme
Lebensrad und alte Filme

Lebensrad, Bioskop, Kinematograph: der Spielfilm hat eine spannende Entwicklung hinter sich

svz.de von
10. Dezember 2014, 18:29 Uhr

Ein Spielfilm ist technisch gesehen eine Abfolge von Fotografien. Zuerst waren es wenige Bilder, die laufen lernten. Findige Tüftler entwickelten hierzu diverse Apparaturen. So bauten um 1833 der Belgier Joseph Plateau und der Österreicher Simon Stampfer unabhängig voneinander ein so genanntes „Lebensrad“, das war eine Scheibe mit kreisförmig angeordneten Bildern. Sie zeigten jeweils unterschiedliche Phasen einer Bewegung und durch das Drehen des Rades konnte der Zuschauer diese Bewegung verfolgen.

Diese kleinen Filme konnten sich anfangs allerdings nur eine Person in einem Guckkasten anschauen. Doch die Erfinder tüftelten weiter an der Projektion bewegter Bilder. Die Berliner Brüder Max und Emil Skladanowsky zeigten mit ihrem Bioskop zum Beispiel im Rahmen eines Varietéprogramms kurze Filme.

Als Geburtsstunde des Kinos gilt der 28. Dezember 1895. Im Pariser „Grand Café“ zeigten die Brüder Auguste und Louis Lumières einem staunenden Publikum einige selbst gedrehte kurze Filme. Es waren vor allem alltägliche Momentaufnahmen – wie die Fütterung eines Babys, eine Straßenszene in Lyon und die Ankunft eines Zuges. Der Kinematograph der Lumières setzte sich gegen die anderen Entwicklungen durch, weil er die bessere Technik hatte. Er war Kamera, Kopiergerät und Projektor in einem Apparat. So folgten nach der Premiere in Paris öffentliche Filmvorführungen in der ganzen Welt. Der Erfolg der Lumières führte dazu, dass in den Folgejahren Filme in speziellen Theatern gezeigt wurden. Sie wurden Filmtheater genannt. Später setzte sich die Kurzform Kino – für Kinematograph – durch. Damals waren abgefilmte Varieténummern mit Akrobaten, Tänzern oder Tieren beim Publikum sehr beliebt. Allerdings zeigte sie das Ereignis aus nur einer Perspektive, da die Kamera unbeweglich war. Aber schon ab 1903 wurden mittels mehrerer Einstellungen kleine Geschichten erzählt.

Der Zauberer und Theaterbesitzer Georges Méliès erkannte die Möglichkeit, mittels des Films die Ereignisse zu verändern. So experimentierte der Franzose mit Stopptrick, Mehrfachbelichtungen, Überblendungen und gilt heute als Erfinder der Filmtricks.

Andere Filmemacher erprobten neue Methoden des Geschichtenerzählens. Hierzu zerschnitten sie den Film, entfernte einzeln Fotos, fügten andere hinzu. Der Filmschnitt war erfunden und brachte den Stummfilm hervor.

Vor der Kamera agierten die Schauspieler ohne zu sprechen. Damals wurden die Filme von einem Pianospieler oder einem kleinen Orchester musikalisch untermalt. Die Handlung wurde zum Teil durch Untertitel erläutert, aber im Grunde mussten die Akteure vor allem durch Gestik und Mimik die Dramen deutlich machen. Im Tonfilm wurden dann auch die Stimmen der Mimen ein gewichtiges Instrument der Schauspielerei.

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