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gesundheit : Wenn Spiele süchtig machen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spiele am Computer spielen – das ist für viele Leute normal / Manche aber können gar nicht mehr damit aufhören

svz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 16:21 Uhr

Kai Müller kümmert sich um Kinder und Jugendliche, die süchtig nach Computerspielen sind. Britta Kollenbroich erzählt der Psychologe, wieso Computerspielsucht eine Krankheit ist. Und warum es auch nicht gut ist, ganz auf den Computer zu verzichten.

Was ist denn eigentlich eine Computerspielsucht?

Kai Müller: Sucht bedeutet ja, dass man etwas unbedingt haben muss oder machen muss. Wenn man süchtig nach Computerspielen ist, hat man das unwiderstehliche Verlangen, das auch zu tun. Und man hat an nichts anderem als den Computerspielen mehr Spaß und Freude. Also versucht man, so viel Zeit wie möglich am Computer zu spielen. Ganz typisch ist es, dass Computerspielsüchtige Dinge, die ihnen früher Spaß gemacht haben, nicht mehr machen. Zum Beispiel kommen sie nicht mehr zum Fußballtraining, geben ihre Hobbys auf oder treffen sich nicht mehr mit ihren Freunden.

Aber im Internet und bei Computerspielen hat man ja auch Kontakt zu anderen, ist das kein Ersatz?

Erst mal ist es überhaupt nicht schlimm, wenn man online auf sozialen Netzwerken auch Freunde hat und mit denen schreibt oder mal spielt. Schwierig wird es, wenn man seine Online-Freunde den Offline-Freunden vorzieht, also nur noch im Internet mit seinen Freunden spricht.

Sie behandeln Computerspielsüchtige in einem Krankenhaus. Wieso ist Computerspielsucht eine Krankheit?

Das Gefährliche an der Computerspielsucht ist, dass es die Kranken sehr belastet. Das heißt nicht, dass sie körperliche Schmerzen haben, wie z. B. bei einem Armbruch. Aber ihnen geht es nicht gut: Sie sind unglücklich, unzufrieden und fühlen sich nicht so wohl. Auch Computerspielen macht sie nicht mehr glücklich. Aber im Gegensatz zu gesunden Menschen können sie einfach nicht damit aufhören. Sie können an ihrer Lage nichts ändern. Darunter leiden sie sehr – so sehr, dass sie krank sind. Wir Ärzte nennen das Kontrollverlust.

Also ist es besser, den Computer gar nicht zu nutzen oder zu spielen?

Nein. Ohne Computer auszukommen ist auch nicht der richtige Weg. Ärzte haben sogar herausgefunden, dass Kinder, die gar nicht an den Computer dürfen, auch belastet sind. Das heißt, dass sie auch unglücklich sind. Ganz verbieten ist also nicht gut. Viel besser ist es, mal einen Tag in der Woche ohne Computer zu machen. Zum Beispiel sagen: Mittwoch ist mein Rausgeh-Tag.

Gibt es Spiele, von denen man eher süchtig wird als von anderen?

Ja, die gibt es. Das sind die sogenannten Online-Rollenspiele, wie zum Beispiel „World of Warcraft“ oder „League of Legends“. Aber es ist auf keinen Fall so, dass jeder, der diese Spiele spielt, auch süchtig wird. Auch die reine Spielzeit ist nicht entscheidend. Manche bauen beim Spielen eine zweite Welt neben ihrer echten Welt auf – auch das ist erst einmal nicht schlimm. Schwierig wird es, wenn sie das richtige Leben meiden.

Kann man eigentlich auch von Handyspielen süchtig werden?

Ja, das kann man. Da gibt es ja ganz ähnliche Spiele. Wir haben schon Patienten behandelt, die süchtig nach Spielen auf ihrem Handy waren.

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