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Seefahrt : Vom Lot bis zum Kompass

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seefahrtserie Teil 3: Die Kunst des Navigierens

Als die Menschen das weite Meer eroberten, segelten sie auf gut Glück ins Ungewisse, denn es gab noch keine Karten. Doch die Seefahrer sammelten ihre Erfahrungen, die sich aus der jahrelangen Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen, aber auch vom Wind ergaben. Die Kunst des Navigierens, also die Bestimmung der Fahrtrichtung, gaben sie mündlich von Generation zu Generationen weiter. Auch maßen schon jene Seefahrer mit dem Lot die Wassertiefe, um nicht auf Sandbänke aufzulaufen. In der Antike gab es dann die „Peripli“. Das war eine Segelanweisung mit Angaben über Entfernungen, Untiefen, gefährliche Strömungen, die den griechischen Seeleuten zur Orientierung im Mittelmeer dienten.

Im 13. Jahrhundert fertigten kundige Seefahrer erste Karten an. Sie waren einfach, zeigten die Konturen von Küsten und Inseln recht grob. Dennoch waren sie eine Hilfe. Dann wurden die Seekarten genauer, und die Navigation entwickelte sich auf der Grundlage der griechischen Sternenkunde (Astronomie), der Landkenntnisse (Geographie) und der Kunst des Kartenzeichnens (Kartographie) zu einer Wissenschaft.

Insbesondere die Portugiesen und die Spanier taten sich hier hervor. Sie waren von der verlockenden Aussicht auf lukrativen Gewürzhandel bestrebt, den beschwerlichen Landweg nach Indien durch einen kurzen Seeweg zu ersetzen. So segelte der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias im Auftrag des portugiesischen Königs Johann II. (1455-1495) an der afrikanischen Westküste nach Süden und erreichte schließlich die südlichste Landspitze Afrikas. König Johann II. sah darin ein gutes Zeichen, taufte den Ort auf den Namen „Cabo da Boa Esperanca”, auf deutsch Kap der guten Hoffnung. Danach umrundete Vasco da Gama Afrika. Er traf 1498 als erster Europäer im indischen Calicut ein.

Vasco da Gama hatte bereits einen Kompass an Bord. Deren Vorläufer hatten chinesische Seefahrer erfunden. Jene navigierten mithilfe von Magnetnadeln. Im 10. Jahrhundert kam die Erfindung über die Seidenstraße nach Nordafrika. Anfangs schwamm der Magnet-Zeiger in einer Wasserschale. Später wurde dann die Nadel auf einen Stift aufgesetzt, sodass sie sich im Erdmagnetfeld nach Norden ausrichten konnte.

Daneben mussten die Seefahrer die Geschwindigkeit des Schiffes wissen. Erfahrene Seefahrer konnten sie früher an den Fahrgeräuschen abschätzen. Allerdings war diese Messmethode ungenau. Doch das änderte sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit dem Logscheit. Es war ein Holzstück, das an einer langen Leine befestigt und in regelmäßigen Abständen mit Knoten unterteilt war. Der Logscheit wurde vom Heck des Schiffes über Bord geworfen und mithilfe einer Sanduhr wurde dann gemessen, wie viele Knoten sich in einer halben Minute abwickelten. Waren es sechs Knoten, fuhr das Schiff sechs Knoten. Ein Knoten ist eine Seemeile (1,852 km) pro Stunde und bis heute das nautische Maß zur Feststellung der Geschwindigkeit.

Autor: Ronny Stein

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