Streit um Pisa: Ist die Schule krank – oder der Test?

svz.de von
03. Dezember 2013, 11:33 Uhr

Sind deutsche Schüler gut oder schlecht? Diese Frage stellen sich viele Leute immer, wenn es um einen bestimmten Schultest geht: den Pisa-Test. Morgen wird es wieder neue Ergebnisse des weltweiten Schultests geben. Eltern, Lehrer und vor allem Politiker sind jetzt schon etwas nervös, was wohl herauskommt. „Ihnen steckt immer noch der Pisa-Schock in den Knochen“, sagt Professor Manfred Prenzel. Er hat die neueste Pisa-Studie in Deutschland geleitet.

Vor mehr als zehn Jahren hatten Tausende Schüler bei uns und in anderen Ländern das erste Mal beim Pisa-Test mitgemacht. Es wurde geprüft, wie gut die Schüler Texte verstehen und an Mathe-Aufgaben knobeln. Dabei kam heraus: Die deutschen Schüler waren viel schlechter als erwartet. Das führte damals zum Pisa-Schock. Dieser Schock hat dafür gesorgt, dass es um die Pisa-Tests alle drei Jahre viel Aufregung gibt. Und dass sich an den deutschen Schulen vieles geändert hat. Ziele wurden umgekrempelt. Der Unterricht läuft oft anders ab. Tests spielen eine größere Rolle. Aber ist das gut? Darüber zoffen sich die Fachleute.

Manfred Prenzel sagt: „Der Pisa-Schock war heilsam.“ Dadurch habe man genauer darüber nachgedacht, was man verbessern könne, damit Kinder mehr und besser lernen. „Inzwischen schneiden die deutschen Schüler bei Pisa immer besser ab“, sagt Manfred Prenzel. Die Pisa-Tests findet er wichtig: „Man kann sie sich wie ein Thermometer vorstellen, um zu prüfen, ob an den Schulen alles in Ordnung ist, ob sie gesund oder krank sind.“

Der Professor Wolfram Meyerhöfer findet dagegen eher den Pisa-Test krank: „Der Test sagt nichts darüber aus, wie gut oder schlecht Schüler wirklich sind“, sagt der Pisa-Kritiker. Er findet die Art der Aufgaben fragwürdig. Und er kritisiert, dass durch den Pisa-Rummel an den Schulen immer mehr Wissen vermittelt wird, für das vor allem eins gilt: Man kann es abfragen. Wolfram Meyerhöfer sagt: „Eigene Ideen, Kreativität, kritische Nachfragen – all das kommt zu kurz.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen