Theater : Puppenspiel für jedes Alter

Die Marionette Urmel von der Augsburger Puppenkiste
Die Marionette Urmel von der Augsburger Puppenkiste

Die Geschichte des Figurentheaters ist uralt. Bis heute lieben Kinder – und Erwachsene – die Aufführungen.

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02. September 2015, 23:48 Uhr

Das Puppenspiel ist nicht nur bei Kindern beliebt. Die Geschichte zeigt, dass auch Erwachsene schon immer gern spannende Geschichten mit Puppen aufgeführt haben. Schon im alten Ägypten wurden kleine Stücke im Figurentheater gespielt. Die Spielfiguren waren so beliebt, dass die professionellen Puppenspieler von ihrer Kunst leben konnten. In China führten Puppenkünstler ihr Figurenspiel während der Tang-Dynastie (vor mehr als 1000 Jahren) sogar im Kaiserpalast auf.

Heute gibt es das Figurentheater auf der ganzen Welt. Der Spielplan ist vielfältig. So werden klassische Dramen, Komödien und sogar kleine Opern aufgeführt. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede in der Größe der Puppen und der Art der Bühne.

So lieben in Deutschland die Kinder ihr Kasperle-Theater. Handgroße Puppen werden dabei bevorzugt. Hinter dem Vorhang bewegt ein Puppenspieler die an seiner Hand befestigten Puppen und spricht mit verschiedenen Stimmen die einzelnen Rollen. Wenn die Puppen größer sind und der Spielführer sie mittels Fäden bewegt, heißt das Marionettentheater. In Japan dagegen sind die Puppen sogar so groß wie erwachsene Menschen, und es bedarf drei Spieler, um solch eine Figur auf einer Theaterbühne zu bewegen.

Im Mittelalter brachten die Puppenspieler an religiösen Feiertagen dem einfachen Volk auf Marktplätzen christliche Glaubensinhalte, also die Botschaften der Bibel, näher. Später wurden auch Stoffe aus dem Alltag gespielt. Besonders gruselige Geschichten waren beliebt. Das deutsche Trauerspiel vom Zauberer Johannes Fausten, der dem Teufel seine Seele verkauft, war zeitweise das meistgespielte Stück des Puppentheaters. Die Italiener hatten mehr Freude an lustigen Begebenheiten, so wurde vor allem die „Commedia dell’arte“ auf die Bühne gebracht.

Zu DDR-Zeiten war das Puppentheater eine vollkommen gleichberechtigte Sparte bei den Theatern und es gab viele feste Spielstätten. Sie waren oft mit einem umfangreichen Ensemble und eigenen Werkstätten ausgestattet. Künftige Puppenspieler erlernten damals ihre Kunst an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.

Heute gibt es mehr als 130 Puppentheater in Deutschland. Ihr Spielplan gestaltet sich genauso vielfältig und anspruchsvoll wie der der „großen“ Theater. Deshalb werden im professionellen Figurentheater oft aktuelle Stücke gespielt. Häufig werden auch Schriftsteller gebeten, eigens Stücke für Puppentheater zu schreiben. Bei vielen Festivals, so zum Beispiel beim Figurentheaterfestival Erlangen, der jährlichen Gernsbacher Puppentheaterwoche oder bei der Imaginale, einem internationalen Treffen in Baden-Württemberg, können Jung und Alt ihre Künste bewundern.

Autor: Ronny Stein

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