Geschichte : Nur stark und doof?

Die Neandertaler sind schon lange ausgestorben.
Die Neandertaler sind schon lange ausgestorben.

Die Neandertaler hatten lange Zeit keinen guten Ruf, doch sie waren schlaue Jäger.

svz.de von
10. November 2015, 23:27 Uhr

Ralf Schmitz beugt sich über eine große Vitrine. „Das ist er“, sagt der Fachmann und zeigt auf Knochen, die in dem Glaskasten liegen. Da sind zum Beispiel die beiden großen und starken Oberschenkel-Knochen. Und das große Knochenstück vom Schädel – mit den merkwürdigen, dicken Bögen über den Augen. Ralf Schmitz ist auf den Spuren eines engen, aber ausgestorbenen Verwandten von uns: „Das ist DER Neandertaler“, sagt er. Und zwar ein ganz besonderer.

Gefunden wurden die Knochen vor rund 160 Jahren im Neandertal. Das ist in der Nähe von Düsseldorf. Die Stadt liegt im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Heute liegen die Knochen in einem Museum in Bonn.

Ralf Schmitz und seine Kollegen haben eine Menge über den Neandertaler herausgefunden: Zum Beispiel gehören die Knochen einem Mann. Er war wohl 42 Jahre alt und konnte seinen linken Arm nicht mehr bewegen. Trotzdem wurde der Mann für einen Neandertaler sehr alt. „Das bedeutet, die anderen haben sich gut um ihn gekümmert und ihn versorgt. Das sagt viel über die Neandertaler aus“, findet der Experte.

Überhaupt waren die Neandertaler wohl anders, als man lange dachte. Von wegen nur stark und doof!

Sie lebten zum Beispiel in größeren Gruppen. Sie bauten Wohnhütten, trugen Kleidung aus Fell und machten Werkzeuge aus Stein. Sie entdeckten das Birkenpech, so eine Art Super-Kleber der Steinzeit. Und sie wussten, wie man Feuer macht! „Außerdem waren sie clevere Jäger“, erklärt der Fachmann. Sie jagten beispielsweise Rentiere, Wildpferde, Saiga-Antilopen und Riesenhirsche. Und ab und zu auch Mammuts.

Aber die Jagd war gefährlich. Viele Neandertaler wurden dabei verletzt. Das erkennen die Forscher heute an den Knochen. Viele Neandertaler hatten gebrochene Arme oder Rippen. Spannend, was die Experten von Knochen alles erfahren!  

Autorin: Stefanie Paul

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