Schule : Nicht die Eltern vorschicken

Sollen die Eltern bei Problemen mit dem Lehrer reden? Das fragen sich viele Schüler.
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Sollen die Eltern bei Problemen mit dem Lehrer reden? Das fragen sich viele Schüler.

Probleme in der Schule mit oder ohne Mama und Papa klären? Ein Fachmann gibt Tipps

svz.de von
12. März 2014, 16:48 Uhr

Ungerechte Noten, zu viele Hausaufgaben – immer wieder gibt es Ärger in der Schule. Manche schalten dann schnell die Eltern ein, nach dem Motto: „Mama, mach was!“ Andere dagegen finden, dass sich Eltern bloß nicht einmischen sollen. „Sonst wird der Ärger noch größer“, sagen sie. Was ist richtig? Das hat Silke Fokken den Fachmann Ulrich Gerth gefragt. Er berät Kinder und Eltern in Mainz.

Wann sollte man die Eltern einschalten?

Ulrich Gerth: Es ist wichtig, dass ihr zuerst versucht, Probleme selbst zu lösen und nicht die Eltern vorzuschicken. Wenn ihr etwa das Gefühl habt: Der Lehrer behandelt mich ungerecht, immer bin ich der Blöde, tauscht euch mit anderen Kindern aus und sprecht ihn an. Das bedeutet aber nicht, dass ihr allen Ärger mit euch allein abmachen sollt. Es gibt eine goldene Regel, wann man die Eltern einschalten soll.

Wie heißt diese Regel?

Es nützt nichts, Sorgen in sich hineinzufressen. Wenn ihr bei Problemen alleine nicht weiterkommt, solltet ihr auf jeden Fall mit euren Eltern oder anderen Erwachsenen sprechen, denen ihr vertraut. Es ist aber wichtig, dass ihr euch vorher überlegt, was ihr von den Eltern erwartet.

Zum Beispiel?

Vielleicht möchte man, dass sie erst einmal nur geduldig zuhören und Tipps geben, was man tun kann. Das sollte man den Eltern klar sagen. Gerade wenn sie vielleicht etwas hitzköpfig sind und gleich losstürmen wollen. Aber vielleicht wünscht man sich auch, dass die Eltern sich reinhängen und mal mit dem Lehrer reden.

Nützt es denn, wenn Eltern aktiv werden?

Das kommt auf das Problem an. Aber wenn Eltern mit einem Lehrer sprechen, wirkt das oft stärker, als wenn ein Kind das allein versucht. Eltern und Lehrer sind beide erwachsen und können sich über manches vielleicht besser verständigen. Eltern können dabei eine Art Anwalt der Kinder sein und ihre Seite vertreten. Im Idealfall vermitteln sie aber auch zwischen Kind und Lehrer, sodass sich beide Seiten am Ende besser verstehen.

Einige haben Sorge, dass sie nach so einem Gespräch noch mehr Ärger von dem Lehrer abbekommen. Was kann man da tun?

Die meisten Lehrer lassen ganz gut mit sich reden. Wenn einer doch besonders schwierig ist, kann man sich zum Beispiel mit anderen Kindern und Eltern austauschen. Vielleicht haben sie ähnliche Probleme. Gemeinsam kann man sich zum Beispiel an die Elternvertreter einer Klasse wenden. Die sprechen den Lehrer an. Dann steht ein Kind mit den Problemen nicht so alleine da.

Wenn es in der Schule Ärger mit anderen Kindern gibt, steht keiner gern als Petze da. Wie lässt sich das verhindern?

Erst einmal sollte man Probleme unter sich klären. Aber wenn das nicht hilft und man unglücklich ist, muss man sich Hilfe holen. Das ist dann auch kein Petzen. Was das Petzen betrifft, ist mir eins übrigens besonders wichtig: Wenn ein Erwachsener sagt: ,Das darfst du nicht deinen Eltern sagen’, dann ist die Sache merkwürdig. Dann solltest du unbedingt mit ihnen reden. Dann musst du petzen.

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