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Seefahrer : Namensstreit um Amerika

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil 4 unserer Schifffahrtsserie: Der italienische Buchhalter Amerigo Vespucci wurde unverhofft Namenspatron.

Indien lockte schon früh mit seinen geheimnisvollen Kostbarkeiten, Gewürzen und Gewändern Seefahrer und Händler an. 1492 machte sich Christoph Kolumbus mit seiner Flotte auf den Weg, landete an einer fernen Küste und glaubte, Indien erreicht zu haben. So sah er keinen Anlass, dem neu entdeckten Land einen Namen zu geben. Er errichtete Handelsstützpunkte, nannte die Einwohner Indianer und wurde vom spanischen König belohnt. Dann erfuhr Kolumbus von der Vermutung des Italieners Amerigo Vespucci, es sei hier ein neuer Kontinent entdeckt worden. Der Seefahrer bezweifelte dies vehement.

Vespucci war ein Buchhalter, stand in den Diensten des Handelshauses Medici in Florenz und sah seine eigentliche Berufung als Forscher und Seefahrer. So befasste er sich nebenbei mit Astronomie und Navigation. 1491 entkam er seiner Schreibstube. Piero de Medici schickte ihn nach Spanien, nach Sevilla. Vespucci zählte dort nicht nur Textilballen, er stattete auch Schiffe mit Proviant aus. So kam er mit den Seefahrern in Kontakt.

1499 wendet sich sein Schicksal. Endlich darf er sich selbst auf Seefahrt begeben. Doch seine Expedition mit Alfonso de Ojeda währt nicht lange. Sie gelangen rasch an die Nordostküste Südamerikas. Doch während Vespucci und de Ojeda glauben, in Asien gelandet zu sein, erfährt Kolumbus, der auf der Insel Hispanola nahe Kuba residiert, von der Konkurrenzflotte. Es kommt zum Streit. Vespucci bricht die Expedition ab und segelt heim.

1501 begibt er sich unter portugiesischer Flagge mit Gonçalo Coelho erneut auf große Fahrt. Sie segeln an der brasilianischen Küste Richtung Süden entlang und entdeckten die Pfahlbauten von Ureinwohnern. Er nennt den Ort Venezuela – Klein-Venedig. Die beiden Entdecker segeln immer weiter Richtung Süden. Vespucci vermutet nach der schier endlosen Seereise und angesichts der riesigen Landmasse, dass es sich hier um einen unbekannten Kontinent handelt.

1506 erscheint kurz vor Kolumbus’ Tod ein schmales Büchlein. Es verbreitet die Kunde vom neuen Kontinent und verkauft sich gut. Dies veranlasst 1507 die beiden deutschen Kartografen Martin Waldseemüller und Matthias Ringmann, die Weltkarten zu aktualisieren. Sie nennen den Südteil des neuen Kontinents „America“. Allerdings stammte das Buch nicht aus der Feder Vespuccis. Ein Buchdrucker hatte lediglich einen privaten Brief von Vespucci fantasievoll ausgeschmückt.

Der Sohn von Christoph Kolumbus klagte 1508 gegen die Namensgebung vor Gericht. Das Verfahren endete 1527. Kolumbus galt fortan als Entdecker Amerikas, aber eine Umbenennung in „Kolumba“ scheiterte, weil sich der Name Amerika inzwischen weit verbreitet hatte.

Nachdem auch der berühmte flämische Kartograf Gerhardus Mercator 1538 den gesamten Doppelkontinent Amerika nannte, wurde der Name endgültig amtlich.

Autor: Ronny Stein

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