Flüchtlinge : Mutig sein und anderen helfen

Markus Nierth macht sich für Flüchtlinge stark. Und das, obwohl er deswegen bedroht wird.
Markus Nierth macht sich für Flüchtlinge stark. Und das, obwohl er deswegen bedroht wird.

Ein Politiker erzählt, warum er sich für Flüchtlinge einsetzt, obwohl er deswegen bedroht wird

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07. April 2015, 23:29 Uhr

Seit einigen Tagen ist dieser kleine Ort überall in den Nachrichten. Er heißt Tröglitz und liegt im Bundesland Sachsen-Anhalt. Am Wochenende brannte dort ein Haus. Darin sollten Flüchtlinge ein neues Zuhause finden. Das sind Menschen, die aus ihren Ländern geflohen sind. Zum Beispiel, weil dort Krieg herrscht.

Doch manche Menschen wollen nicht, dass Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Viele vermuten, dass solche Menschen das Haus angezündet haben. Doch die Leute in Tröglitz wollen sich davon keine Angst machen lassen. Einer von ihnen ist Markus Nierth. Bis vor Kurzem war er der Bürgermeister des Ortes. Er wird bedroht, weil er Flüchtlingen helfen will.  Sophia Weimer sprach mit ihm.

Warum ist es wichtig, Flüchtlinge aufzunehmen?

Markus Nierth:  Weil Flüchtlinge in Not sind und bedroht werden. Und weil sie sich zu uns gerettet haben, oft nach einem langen gefährlichen Weg.

Warum ist die Hilfe nach dem Brand besonders wichtig?

Weil sonst die, die gegen Flüchtlinge sind, sich im Recht fühlen würden. Dann würden sie vielleicht an anderen Orten weitermachen. Unser Land könnte dann an Herzlichkeit verlieren. Und die Menschen wären vielleicht weniger füreinander da.

Sie helfen schon länger Flüchtlingen, was machen Sie da genau?

Ich bereite mit meiner Familie und Freunden die Ankunft der Flüchtlinge vor. Und ich versuche, mit denen zu reden, die davor Angst haben.

Was können jetzt die anderen Menschen machen, um zu helfen?

Sie können miteinander reden und sich gegenseitig Mut machen. Und sie können zusammenhalten und auch anderen zeigen, dass sie mutig sind.

Warum werden Sie momentan beschützt?

Die Menschen, die fremde Menschen hassen, haben mir böse Nachrichten geschickt. Sie drohen uns, damit wir nicht weiter den Flüchtlingen helfen. Wir haben jeden Tag Polizisten vor unserem Haus stehen, die wirklich gut auf uns aufpassen. Sie achten auch darauf, wer bei uns klingelt.

Was kann man tun, um Flüchtlinge bei sich im Ort willkommen zu heißen?

Das ist ganz einfach: einander freundlich und lächelnd begegnen kann doch jeder. Kinder können miteinander spielen oder zusammen zur Schule oder zum Sportverein gehen. Vielleicht kann man einander auch mal einladen und zusammen essen. Dann lernen die Flüchtlinge unser Essen kennen – und wir das Essen von den Neuen.

Sie haben selbst Kinder. Machen Sie auch irgendetwas mit der Familie für die Flüchtlinge?

Wir haben sieben Kinder, die zwischen 6 und 29 Jahre alt sind. Wir laden bestimmt auch die Neuen zum Essen ein. Unser Jüngster freut sich schon, dass er vielleicht einen neuen Freund bekommt.

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