Das Thema : Mit Stift und Papier im Gericht

Der Gerichtszeichner Martin Burkhardt mit einer seiner Zeichnungen.
Der Gerichtszeichner Martin Burkhardt mit einer seiner Zeichnungen.

Martin Burkhardt ist Gerichtszeichner. Mit seiner Arbeit hilft er den Medien.

svz.de von
12. November 2014, 20:28 Uhr

Der Richter trägt eine lange schwarze Robe. Als er den Gerichtssaal betritt, erheben sich alle Personen im Raum. Einen Moment später wird ein Zeuge in den Saal geführt. Er schaut nervös auf den Boden, als er vom Richter befragt wird. Situationen wie diese hält Martin Burkhardt mit Stift und Papier fest. Der 33-Jährige arbeitet als Gerichtszeichner.

In Deutschland ist es verboten, in einem Gerichtssaal während einer Verhandlung zu filmen oder Töne aufzunehmen. „Sobald der Richter in den Saal kommt, müssen alle Kameras raus“, sagt Martin Burkhardt. Wenn im Fernsehen über einen wichtigen Prozess berichtet wird, wollen die Zuschauer aber oft auch Bilder sehen. Dann gibt es für die Fernsehleute nur eine Möglichkeit: Sie zeigen Zeichnungen. Denn die dürfen in der Regel auch während der Verhandlung angefertigt werden.

Wenn die Verhandlung beginnt, legt Martin Burkhardt sofort los: „Als Erstes mache ich eine Vorzeichnung mit Bleistift, dann koloriere ich das Bild mit Aquarellfarben. Zum Schluss zeichne ich wichtige Linien mit einem dünnen schwarzen Filzstift noch einmal nach.“ Nach der Verhandlung flitzt er dann aus dem Gerichtssaal. „Dort stehen die Kamerateams von den Sendern, die meine Zeichnungen abfilmen.“ Kurze Zeit später sind die Bilder häufig schon in den TV-Nachrichten zu sehen.

Martin Burkhardt ist nur ab und zu als Gerichtszeichner beschäftigt. Die meiste Zeit arbeitet er als Illustrator. Das heißt, er bebildert Bücher, Magazine und Internetseiten. Ein Gerichtszeichner muss vor allem gut Personen zeichnen können. Außerdem muss man schnell sein. „Manchmal habe ich nur eine halbe Stunde Zeit, um eine Zeichnung zu machen“, erklärt der Profi. Das hat aber auch Vorteile: „Wenn ich aus dem Saal raus bin, ist mein Job getan.“

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