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Junge Zeitung

21. November 2017 | 22:18 Uhr

Tiere : Menschenscheuer Jäger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Rückkehr der Wölfe: Tiere sind wieder in Deutschland / Manche Leute freuen sich, andere sind besorgt

Er kehrt heim. Der Wolf (canis lupus) war seit hundert Jahren aus Deutschland verschwunden. Denn er galt als bösartig, gefährlich und riss Schafe, Ziegen, Hühner. Angeblich griff das Tier sogar Menschen an. So wurde er erbarmungslos gejagt. Inzwischen ist der graue Jäger zurückgekehrt. Er wanderte aus Polen ein, zuerst wurde er in der Lausitz in Sachsen heimisch. Nun wurde er auch in Norddeutschland gesichtet.

Das Erscheinen des Wolfes hat große Aufregung ausgelöst. Bauern verlangen den Abschuss, Tierschützer finden es gut, dass er wieder da ist. Sie betonen, dass der Wolf weniger gefährlich ist als bislang immer behauptet. Er lebt in kleinen Rudeln ohne Rangkämpfe und Futterkonkurrenz. Forscher stellten fest, dass ein Rudel wie eine Kleinfamilie aufgebaut ist. Zwei ausgewachsene Tiere bilden das Elternpaar. Die anderen Tiere sind deren Welpen und die Jungtiere aus dem Vorjahr. Während die Alten auf die Jagd gehen, um die Nahrung für die Nachkommen heranzuschaffen, kümmern sich die Jungtiere um die Welpen. Wenn die Jungtiere zwei Jahre alt sind, verlassen sie das Rudel, um ein neues zu bilden.

Die Wölfe sind menschenscheu. Sie jagen weitab von Städten und Dörfern. Ihre Beute sind meist kleine Wildtiere wie Hasen und Füchse. Selten fangen sie Wildschweine, Hirsche, Rehe, meist sind das dann kranke, schwache Tiere. Somit sorgen die grauen Jäger für einen gesünderen und stärkeren Wildtierbestand.

Seit 1990 steht der Wolf in Deutschland unter Naturschutz. So dürfen die Jäger seine Rückzugsorte nicht betreten, er darf nicht gejagt werden. 1990 wurden die ersten Wölfe in der Oberlausitz gesichtet. Mittlerweile schätzen Forscher deren Zahl auf ungefähr 160 Tiere in 19 Rudeln. Während sich Biologen und Tierschützer darüber freuen, befürchten Jäger, Tierhalter und Wanderer das Schlimmste.

Allerdings sind die Befürchtungen offenbar unbegründet: In der Lausitz haben Wissenschaftler 2012 genau untersucht, was Wölfe wirklich fressen. Sie konnten dafür die gefundenen Kotproben auswerten. Es erwies sich, dass Nutztiere nicht auf dem Speiseplan der Wölfe stehen. Fazit: Wenn die Schäfer ein wenig mehr Vorsorge treffen, kann eigentlich nichts passieren. Zumeist sorgen Zäune oder Herdenschutzhunde für wirksame Abschreckung. Sollte dennoch ein Nutztier von einem Wolf gerissen werden, gibt es finanzielle Entschädigungen vom Staat.

Wanderer und Waldspaziergänger brauchen den scheuen Wolf nicht zu fürchten. So wurde bisher noch kein einziger Zwischenfall zwischen Mensch und Tier in Deutschland verzeichnet. Im unwahrscheinlichen Falle einer Begegnung sollte jeder Ruhe bewahren und den Wolf mittels Rufen oder Klatschen vertreiben.

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