Spiele : Mensch ärgere Dich nicht!

 

Viele Brettspiele stammen aus dem Orient und haben lange Traditionen.

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23. April 2015, 11:45 Uhr

In vielen Familien gehören Brettspiele zum vergnüglichen Freizeitspaß. Doch das war nicht immer so. In vergangenen Zeiten erhofften sich die Menschen, mit ihrer Hilfe einen Blick in die Zukunft werfen zu können. Diese Spiele hatten in ihren Kulturen große Bedeutung und beinhalteten oft philosophische und religiöse Symbole, also Zeichen, die bei der Deutung des künftigen Schicksals eine große Rolle spielten. Zudem wurden nicht nur brettartige Spielflächen verwendet, sondern alle möglichen Untergrundflächen genutzt. So ritzten die Einwohner im antiken Griechenland und im alten Rom ihre Spielfelder in Mauern. Wohlhabende Bürger legten sich in den Innenhöfen ihrer Paläste sogar Spielflächen aus Marmor an, Sklaven waren die Spielfiguren, die sich nach den Anweisungen der Spieler bewegten.

Viele der klassischen Brettspiele stammen aus dem Orient, aus solchen Ländern wie Iran und Irak, Ägypten und Syrien. Sie wurden in Europa ab dem 12. Jahrhundert verbreitet. Damals brachten Ritter sie nach ihren Kreuzzügen aus dem Morgenland mit. In ihrem Gepäck befanden sich einige der ältesten Spiele der Menschheit wie das Mancala, das indische Pachisi, das Gänsespiel und viele andere.

Im Mittelalter wurde in Europa das Gänsespiel besonders beliebt. Es bestand aus einer Spirale mit 63 Feldern. Die Spirale war eines der ältesten Ewigkeits-Symbole und galt als Abbild der Unendlichkeit. Das Spiel beginnt am äußeren Rand der Spirale. Der Spieler würfelt und zieht seine Figur um die gewürfelte Augen-Zahl nach innen. Das Ziel war das 63. Feld. Es stellte das Paradies dar und musste mit direktem Wurf erreicht werden, sonst musste der Spieler jeden darüber hinaus geworfenen Punkt zurückgehen. Es wurde nicht selten um Geld gespielt. Hierzu wurden die Einsätze auf dem Spielfeld gesammelt, die der Gewinner behalten durfte. Am Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich das Spiel zum harmlosen Kinderspiel. Zu dieser Zeit kamen auch die ersten kommerziellen Versionen des Gänsespiels auf, das bis heute in immer neuen Auflagen erscheint.

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Ein ähnliches Spiel, ebenfalls ein Klassiker der Brettspiele, hat eine mystische Vergangenheit. Unser bekanntes „Mensch ärgere Dich nicht“ basiert auf dem indischen Spiel Pachisi. Es ist mindestens 1500 Jahre alt und wird von Indern aller Kasten, also aller Gesellschaftsschichten, mit Würfeln gespielt. Pachisi bedeutet auf indisch 25, und als bester Wurf gelten 25 Punkte. Fachleute erkennen im Pachisi Elemente des hinduistischen Glaubens. Menschen begeben sich auf ihre Reise durch das Leben. Währenddessen lauern viele Gefahren. Schlägt ein Unglück zu, so wird der Spieler wiedergeboren und beginnt die Reise seines Lebens erneut auf dem ersten Feld. Doch erreicht er schließlich das Ziel, endet der Kreislauf, und er ist im Paradies angelangt.

Aber es kam die Zeit, da spielten Jung und Alt zum reinen Vergnügen. So ist heute das Spiel „Mensch ärgere Dich nicht“ ein kurzweiliges Gesellschaftsspiel mit Würfeln und Spielsteinen.


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