Umwelt : Wohin mit dem Atommüll?

Arbeitsmaschinen im Bergwerk Gorleben. Gegen ein Endlager dort gibt es seit langem Protest.
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Arbeitsmaschinen im Bergwerk Gorleben. Gegen ein Endlager dort gibt es seit langem Protest.

Atomkraftwerke erzeugen mit radioaktiven Stoffen Strom – dabei entsteht Abfall, der gefährlich ist.

svz.de von
11. September 2017, 23:50 Uhr

Zu Hause kommt der Müll in die Tonne, dann wird er abgeholt. Manches davon kann man wiederverwenden. Andere Teile werden zum Beispiel verbrannt. Mit Atommüll geht das nicht. Denn dieser Abfall ist für Menschen gefährlich, er enthält radioaktive Stoffe. Das heißt, sie senden Strahlen aus und das über Tausende von Jahren. Deshalb wird derzeit in Deutschland ein Ort gesucht, wo Atommüll sehr sehr lange liegen kann: ein Endlager.

Strahlung darf von dort nicht nach außen dringen. „Darum müssen die Abfälle 300 bis 1500 Meter tief in der Erde gelagert werden“, sagt die Geologin Nicole Schubarth-Engelschall. Die Gesteinsexpertin soll mit Kollegen einen Platz für ein Endlager finden.

Das Gestein dort muss sehr dick sein. Es muss auch große Hitze aushalten. Der hoch radioaktive Atommüll ist nämlich heiß wie ein Backofen. Weil er nicht einfach verrottet, wie etwa ein Apfel, muss das Endlager außerdem sehr lange halten. „Wir planen mit einem Zeitraum von einer Million Jahre“, sagt die Expertin.

Bevor die Geologen losgehen, Löcher bohren und den Boden untersuchen, sammeln sie erst mal Informationen: Welche Gesteinsschichten gibt es in den verschiedenen Gegenden Deutschlands? Einige Orte scheiden dann bereits aus, zum Beispiel weil das Gestein dort nicht dick genug ist. Auch Gegenden, wo es Erdbeben geben könnte, kommen nicht in Frage. Gebiete, die sich vielleicht für ein Endlager eignen, schauen sich die Geologen dann genauer an. Dafür untersuchen sie den Boden mit verschiedenen Methoden und bohren tief in die Erde. So finden die Geologen heraus, wie das Gestein aufgebaut ist. Könnten sich Risse bilden, durch die Wasser im Gestein sickert, wäre der Ort ungeeignet für ein Endlager. Denn mit dem Wasser könnten radioaktive Stoffe in Flüsse oder ins Trinkwasser gelangen.

Bevor ein Endlager gebaut werden kann, müssen sich die Geologen auch unter der Erde umschauen. Dafür wird ein Schacht ausgehoben, der weit in die Tiefe reicht. „Dort machen wir weitere Messungen“, sagt die Expertin. „Wir untersuchen zum Beispiel, wie sich das Gebirge bewegt.“ Selbst wenn es nur winzig kleine Verschiebungen sind, müssen sie beim Bau eines Endlagers berücksichtigt werden.

Für Abfälle, die nur schwach strahlen, wird derzeit das ehemalige Bergwerk Konrad umgebaut. Es ist aber nicht sicher genug für ein richtiges Endlager. Der Ort dafür soll in 14 Jahren feststehen. Ob die Suche bis dahin gelingt? Das kann Nicole Schubarth-Engelschall noch nicht sagen. Sie und ihre Kollegen stehen damit noch am Anfang.

Autorin: Ann-Kathrin Marr

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