Tierwelt : Wo die Kraniche rasten

Tagsüber gehen die Graukraniche Futter auf den Feldern suchen.
Tagsüber gehen die Graukraniche Futter auf den Feldern suchen.

Jeden Herbst machen sich zehntausende Kraniche auf den Weg in den Süden.

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21. November 2018, 16:32 Uhr

Wer im Herbst nach Linum in Brandenburg kommt, kann gegen Abend ein eindrucksvolles Spektakel beobachten: Zehntausende große graue Vögel kommen angeflogen, um sich für die Nacht zu sammeln. Es sind Graue Kraniche. Man sagt auch Graukraniche zu ihnen.

Graue Kraniche sind Zugvögel. Viele der Vögel mit dem knallroten Fleck auf dem Kopf kommen von ihren Brutplätzen, zum Beispiel aus Osteuropa. Sie fliegen nach Frankreich oder Spanien, um dort den Winter zu verbringen. „In Linum machen sie auf dieser langen Reise Rast“, erklärt die Expertin Helga Müller-Wensky. Sie bietet Kranich-Touren an, bei denen man die Tiere beobachten kann. „Die Kraniche bleiben im Schnitt für zwei Wochen hier“, sagt sie. „Sie tanken neue Energie auf, indem sie sich ausruhen und mit Nahrung versorgen.“

Futter gibt es rund um Linum reichlich. Die Bauern haben vor Kurzem Mais geerntet, zwischen den Stoppeln lassen sich noch viele Körner und auch ganze Kolben finden. „Selbst auf umgepflügten Feldern finden sie noch etwas“, sagt die Expertin. Denn mit ihren langen Schnäbeln können die Kraniche tief in der Erde nach Körnern und Insekten graben.

Den Tag verbringen die Kraniche unterwegs auf den Feldern. Manchmal gehen sie auch an die Wintersaat, wie die Expertin erzählt. Also Körner, die Landwirte kurz vor dem Winter auf ihren Feldern gesät haben. „Das haben die Bauern nicht so gern. Manche stellen extra Leute ein, die die Vögel mit dem Traktor verscheuchen.“

Viele Landwirte haben sich aber mit den Kranichen abgefunden. „Einige Landwirte stellen Weideflächen zur Verfügung, die als Kranich-Schlafplatz vernässt werden.“ Das bedeutet, die Flächen werden mit Wasser geflutet. Kraniche haben nämlich eine besondere Vorliebe: Sie schlafen auf einem Bein stehend in flachen Gewässern. Dort fühlen sie sich sicher gegenüber Feinden wie zum Beispiel Füchsen und Marderhunden.

Mit einem Mal hört man laute Vogelschreie in der Luft. Die Kraniche kommen von ihrer Nahrungssuche zurück. „Die lauten Schreie kommen von den erwachsenen Vögeln. Die jungen Kraniche sind leiser. Wer drauf achtet, kann ihr Fiepen hören“, sagt Helga Müller-Wensky.

Bei Anbruch der Dunkelheit machen die Tiere sich auf den Weg zu ihren Schlafplätzen. Sie putzen ihr Gefieder und sie machen lautstarke Geräusche. Worüber sie sich wohl unterhalten? Das weiß die Kranich-Expertin natürlich nicht. „Ich stelle mir immer vor, dass sie sich erzählen, wie ihr Tag war“, sagt Helga Müller-Wensky. „Wo sie heute gutes Futter gefunden haben, wo sie aufgescheucht wurden und wo sie ihre Ruhe hatten.“

Autorin: Karlotta Ehrenberg

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