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Wie aus Gülle Strom wird

Im Vordergrund liegt Maissilage, mit der die Biogasanlage im Hintergrund gefüttert wird.dpa
Im Vordergrund liegt Maissilage, mit der die Biogasanlage im Hintergrund gefüttert wird.dpa

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13. September 2012, 07:19 Uhr

Wer auf dem Lande unterwegs ist, sieht in vielen Dörfern eigenwillige Bauwerke. Sie sind ziemlich groß, rund und haben halbrunde oder spitze Kappen. Meist stehen zwei, vier oder noch mehr dieser Behälter beieinander - zusammen bilden sie Biogasanlagen. Die machen unter anderem aus Getreide und Gülle Strom. Aber wie soll der Urin von Kühen Glühlampen zum Leuchten bringen?

Damit eine Biogasanlage richtig arbeiten kann, muss der Landwirt sie jeden Tag füttern. Dazu füllt er mehrere Tonnen klein gehäckselten Mais, Gülle und manchmal auch anderes Getreide in einen der großen Behälter. In diesem Behälter befindet sich eine breiartige Masse, die von einem riesigen Quirl ständig umgerührt wird. In dem Brei leben Millionen von winzigen Lebewesen - Bakterien. Sie fressen sozusagen Mais, Roggen und die anderen eingefüllten Inhaltsstoffe auf. Es ist ihre Nahrung. Die Nahrung müssen sie - wie die Menschen auch - verdauen. Und so, wie die Menschen pupsen, sondern auch die Bakterien bei der Verdauung Gase ab. Der ganze Vorgang heißt Gärung.

Das Gas sammelt sich unter der runden oder spitzen Haube und wird dann aus dem Gärbehälter zu einem Verbrennungsmotor geleitet. Dort wird es verbrannt. Und wie ein Automotor ein Auto in Bewegung setzen kann, treibt der Motor der Biogasanlage einen Generator an. Der funktioniert ungefähr wie ein Fahrraddynamo - durch die Drehbewegung entsteht Strom. Dieser wird dann ins öffentliche Stromnetz eingespeist und kommt über Leitungen in jedes Haus. Wenn wir die Schalter drücken, leuchten Lampen, spielt das Radio oder saugt der Staubsauger.

Am meisten Gas wird produziert, wenn sich die Bakterien richtig wohl fühlen. Dazu muss es schön feucht sein und warm - am besten um die 39 Grad Celsius. Darum wird der Brei im Gärbehälter immer bei dieser Temperatur gehalten. Dazu wird ein Teil der Wärme genutzt, die entsteht, wenn das Gas im Motor verbrennt.

Bakterien knabbern aber nicht nur gern an Mais und anderem Getreide. Auch Speisereste und Schlachtabfälle, also Fleischreste, fressen sie. Doch die dürfen nicht an alle Biogasanlagen verfüttert werden. In Biogasanlagen für nachwachsende Rohstoffe dürfen neben Gülle nur Pflanzen gefüllt werden, die immer wieder angepflanzt und geerntet werden können, die also nachwachsen. Deshalb zählt der Strom aus Biogasanlagen zu den erneuerbaren Energien. Seine Ausgangsstoffe gehen - anders als Kohle, Erdöl oder Erdgas - quasi nie aus. Die Bundesregierung fördert erneuerbare Energien, damit wir irgendwann ohne Strom aus Atomkraftwerken auskommen. Deshalb erhalten die Landwirte für den Strom, den sie produzieren, Geld.

Aber nicht alle Menschen finden Biogasanlagen gut. Einige kritisieren, dass deshalb jetzt sehr viel Mais angebaut wird. Immer wieder Mais auf ein und dasselbe Feld zu pflanzen, sei nicht gut. Andere finden es schlimm, dass Lebensmittel für die Stromproduktion genutzt werden, während es auf der Welt Menschen gibt, die hungern und manchmal verhungern. Und sie sagen, dass die Biogasanlagen nicht effektiv genug arbeiten. Bei ihrem Betrieb entsteht neben dem Strom etwa die dreifache Menge an Wärme. Doch die wird bei vielen Anlagen ungenutzt in die Luft gepustet. Das will man aber ändern. Es gibt inzwischen viele Biogasanlagen, bei denen auch die Wärme genutzt wird - zum Beispiel um ein Gewächshaus zu beheizen oder die Häuser eines Dorfes mit Wärme zu versorgen.

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