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Serie : Wertvolle Arbeit im Versteck

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Serie zur Reformation, Teil 3: Martin Luther übersetzt auf der Wartburg die Bibel.

Die Thesen von Wittenberg haben sich im Jahr 1517 wie ein Lauffeuer im ganzen Reich verbreitet. Das Volk glaubt dem Mönch Martin Luther, der in Wittenberg die Praktiken der katholischen Kirche scharf kritisiert hat. Luther fordert, zu den christlichen Werten zurückzukehren, dem Streben nach Macht und Reichtum zu entsagen. Daraufhin war Luther vom Papst aus der Kirche ausgeschlossen worden. Der Kaiser Karl V. hatte ihn dann 1521 auf dem Wormser Reichstag zum Reichsfeind erklärt.

Doch zu jener Zeit hält der weise Kurfürst Friedrich von Sachsen seine schützende Hand über Luther, denn der Reformator ist längst zu einer Figur auf dem diplomatischen Schachbrett seiner Zeit geworden und soll noch eine wichtige Rolle im ständigen Konflikt der Kurfürsten mit dem Kaiser um politische Eigenständigkeit spielen.

Friedrich der Weise hatte dem Kaiser nach dem Reichstag sicheres Geleit für den Mönch abgerungen. Das bedeutet, dass Luther Worms zunächst unbehelligt verlassen kann. Auf dem Heimweg verschwindet er.

Mit der Hilfe von Kurfürst Friedrich kann er sich vor den Häschern des Kaisers auf der Wartburg bei Eisenach verstecken. Martin Luther nutzt die Zeit und übersetzte das Neue Testament, den Teil der Bibel, der von Jesus Christus berichtet, in nur vier Monaten. Er lässt seine Arbeit von seinem Freund Philipp Melanchthon gegenlesen, bevor er sein Werk in den Druck gibt.

Damals sprachen die Kirchenleute Latein, die Adligen oft französisch, das einfache Volk benutzte regionale Dialekte. Da war die Verständigung oft schwierig. Luther wählte für die Übersetzung das bis dahin mündlich gesprochene Mittelhochdeutsch. Dank Gutenbergs Erfindung des Buchdruck fand die übersetzte Bibel massenhaft Verbreitung. Bald konnte sie jeder, der des Lesens kundig war, auf Deutsch lesen. Sie trug so dazu bei, eine hochdeutsche Schriftsprache herauszubilden. Aber es war noch ein langer Weg bis zum heutigen Hochdeutsch. Die Luther-Bibel ist seit der ersten Ausgabe mehrfach überarbeitet und sprachlich angeglichen worden.

Während Luthers geheimem Aufenthalt auf der Wartburg greift die Reformationsbewegung wie ein Lauffeuer um sich. Mönche und Nonnen verlassen ihre Klöster, Priester wenden sich gegen das Zölibat, das ihnen die Ehe verbietet. Zunächst ist all das durchaus im Sinne Luthers. Doch es gibt auch eigenwillige Bestrebungen. So dringen die sogenannten Bilderstürmer mit Gewalt in Kirchen ein und zerstören Bilder und Heiligenstatuen.

Als Luther seine Ideen in Gefahr sieht, kehrt er in die Öffentlichkeit zurück. Dort predigt er erfolgreich gegen das zerstörerische Werk der „Bilderstürmer“. Doch dann will das einfache Volk seine Unterdrückung nicht länger hinnehmen. Im Jahr 1524 kommt es in Deutschland zu kleineren Bauernaufständen, die schließlich zum großen Bauernkrieg führen.

Autor: Ronny Stein

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