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Warum Schläuche rund sind

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svz.de von
erstellt am 10.Aug.2012 | 09:49 Uhr

Egal ob im Garten oder bei der Feuerwehr: Schläuche sind eigentlich immer rund. Es gibt sie in jeder Größe und aus zahlreichen Materialien, aber der runde Querschnitt ist allen gemeinsam. Und auch andere Wasserleitungen sind stets rund. Aber warum? Weshalb gibt es keine eckigen Leitungen und Schläuche?

"In erster Linie spart es einfach Material, wenn man einen Schlauch oder ein Rohr rund macht", erklärt Karin Jacobs, Physikerin an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Bei gleichem Durchmesser benötige man bei einer runden Röhre weniger Material als bei einer eckigen. Außerdem ist ein runder Schlauch meist einfacher herzustellen. Eckige Leitungen müsste man entweder aufwendig falten oder aber die vier Seiten aus jeweils einzelnen Teilen herstellen und diese dann zusammenfügen. Dann aber gebe es Nähte, die aufgehen können.

Und noch einen Vorteil haben runde Schläuche, wie Karin Jacobs erklärt: "Ein runder Schlauch ist flexibler. Ich kann ihn besser in alle Richtungen biegen." An einer Ecke sei eine Leitung oder ein Schlauch steifer, viel weniger flexibel. Man brauche daher viel mehr Kraft, um einen Schlauch ausgerechnet über diese Ecke zu biegen. "Es kann dann sogar sein, dass der Schlauch an dieser Stelle reißt", sagt die Physikerin. Ist der Schlauch aber rund, passiert das nicht. Er sei in alle Richtungen gleich elastisch.

Beeinflusst die Form des Schlauchs auch, wie gut oder wie gleichmäßig das Wasser hindurchfließt? Das spielt tatsächlich eine Rolle. Um das zu veranschaulichen, stellt man sich am besten eine eckige Kastenform vor, wie man sie zum Kuchenbacken verwendet. "Wenn man dort Honig hineinfüllt und dann die Form gerade ausleert, fließt der Honig in der Mitte am schnellsten", erklärt Karin Jacobs. "In den Ecken dagegen bleibt er am längsten hängen." Sei der Boden aber rund - beispielsweise bei einer Schüssel - fließe der Honig gleichmäßiger ab.

Der Grund liegt in der Strömungsdynamik: Die Geschwindigkeit einer Flüssigkeit sinkt, je näher sie einer Wand kommt, sagt Karin Jacobs. Wasser ströme daher mitten im Schlauch schneller als an seinem Rand. Wenn es Ecken in der Leitung gibt, kommt ein Flüssigkeitsteilchen dort gleich zwei Wänden auf einmal nahe. "In Gegenwart einer zweiten Wand nimmt seine Geschwindigkeit dann noch stärker ab", erklärt die Physikerin. Das Wasser strömt daher in den Ecken langsamer als entlang einer geraden oder leicht gebogenen Wand.

Deshalb sind Wasserrohre, Pipelines und andere Leitungen eigentlich nie eckig. "Eine Ausnahme gibt es aber", ergänzt Karin Jacobs: "Schifffahrtskanäle baut man eckig." Das aber habe ganz praktische Gründe: Es sei einfach zu aufwendig, die Verschalungen für das Betonbett des Kanals rund zu bauen. Ein gerader Boden und rechts und links zwei senkrechte Betonwände seien billiger und schneller zu realisieren.

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