Warum beim Baden die Blase drückt

<strong>Gerade hat man Spaß beim Baden,</strong> da muss man auf die Toilette. Das ist lästig, aber nicht zu ändern, sagen Mediziner. <foto>Norbert Millauer/dapd</foto>
Gerade hat man Spaß beim Baden, da muss man auf die Toilette. Das ist lästig, aber nicht zu ändern, sagen Mediziner. Norbert Millauer/dapd

svz.de von
25. Juni 2012, 10:17 Uhr

Sommerzeit ist Badezeit und damit auch die Zeit für ein echtes Problem. Kaum ist man ins Wasser gestiegen, drückt die Blase und meldet: Ich bin voll! Und das obwohl man vorher gar nicht so viel getrunken hat und vor Kurzem auf der Toilette war. Warum haben wir beim Schwimmen immer nach kurzer Zeit das Gefühl, wir müssten schon wieder? Drückt das Wasser auf die Blase? Oder haben wir zu viel Wasser geschluckt?

Schuld ist genau das, was das Schwimmen so angenehm macht: der Auftrieb des Wassers. Das Wasser trägt uns und wir fühlen uns leichter als an Land. Für den Körper bedeutet diese plötzliche Leichtigkeit aber eine Umstellung: "Dadurch kommt es zu einer Umverteilung des Blutes", sagt Jügen Scharhag vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Wenn wir aufrecht stehen, sammelt sich durch die Schwerkraft einiges Blut in den Venen der Beine und Füße. Im Wasser kann dieses Blut viel leichter nach oben strömen - erst recht beim Schwimmen, wenn der Körper fast waagerecht im Wasser liegt. Dadurch befindet sich nun mehr Blut in der oberen Körperhälfte als normalerweise. Diese plötzliche Umverteilung geht aber nicht unbemerkt vor sich. Das Blutvolumen und der Flüssigkeitshaushalt des Körpers würden ständig überwacht, erklärt Claus-Martin Muth vom Universitätsklinikum Ulm. Denn darüber reguliert der Körper, ob der Mensch Durst bekommt oder ob die Blase überschüssiges Wasser ausscheiden muss. Die Messfühler für das Blutvolumen sitzen in den Vorhöfen des Herzens. Strömt plötzlich mehr Blut in den Oberkörper, weil wir im Wasser sind, reagieren die Messfühler darauf: "Sind die Vorhöfe prall gefüllt und gedehnt, werden Botenstoffe freigesetzt", erklärt Tauchmediziner. Diese Botenstoffe regen die Nieren an, mehr Urin zu produzieren. Als Folge füllt sich unsere Blase - obwohl wir eigentlich gar nicht zu viel Flüssigkeit im Körper haben.

Verstärkt wird das Ganze durch das meist kühle Wasser. Wenn wir im Wasser beginnen zu frösteln, schaltet der Körper auf Wärmesparen um. Die Blutgefäße unter der Haut und in unseren Armen und Beinen verengen sich, wie Muth erklärt. Dadurch aber werde noch mehr Blut aus Armen und Beinen in die Gefäße des Rumpfes gedrückt. "Dadurch wird dem Regelsystem wieder ein zu hohes Blutvolumen in den Vorhöfen vorgegaukelt und die Nieren werden zur Urinproduktion angeregt", erklärt der Mediziner.

Kann man das lästige Müssen verhindern? Nach Ansicht der Experten ist das weder wirklich möglich noch sinnvoll. "Wir sind nun mal Landtiere", meint Scharhag. Der Mensch sei nicht an das Leben im Wasser angepasst. Am gesündesten ist es nach Ansicht der Mediziner, die Täuschung unseres Regelsystems einfach zu akzeptieren. Dann geht man zwischendurch schnell mal auf die Toilette, um dann wieder entspannt zu baden.

Das Regelsystem ist manchmal sogar lernfähig. Bei Leistungsschwimmern, Tauchlehrern oder anderen Menschen, die täglich viel Zeit im Wasser verbringen, lasse der Harndrang mit der Zeit etwas nach, sagt Claus-Martin Muth. Ihr Körper passe sich an. "Wenn sie aber drei Wochen Urlaub machen und in dieser Zeit kaum ins Wasser gehen, ist alles wieder beim Alten", sagt Muth.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen