Selbst gemacht : Vom Ast zum Löffel

Astrid Schulte kennt sich gut mit dem Schnitzen aus.
Astrid Schulte kennt sich gut mit dem Schnitzen aus.

Spielzeug, Musikinstrumente oder ein Füller: Diese Sachen lassen sich aus Holz schnitzen.

svz.de von
05. Juli 2019, 11:28 Uhr

Fünf Kinder sitzen mit ihren Eltern in einem großen Kreis auf einer Wiese. In der Mitte des Kreises liegt ein Stapel Äste. Den hat Astrid Schulte mitgebracht. Sie bietet Schnitzkurse für Kinder und Erwachsene an.

Auf einem Tisch hat Astrid Schulte ihre geschnitzten Werke ausgestellt. Da gibt es einiges zu bewundern: kleine Wichtel, ein Boot und einen geschnitzten Turm. Daneben stehen ein Bogen, Pfeile und ein großes Schwert, alles aus Holz.

Ein selbst geschnitztes Schwert hat auch Maxi dabei. Der Junge ist acht Jahre alt und würde am liebsten sofort loslegen. Er hat bereits zwei Schnitzkurse mitgemacht und ist schon fast ein Profi. „Das Tolle am Schnitzen ist, dass man dafür raus in die Natur muss“, sagt Maxi. Jetzt hört sich Maxi geduldig an, was die Kursleiterin zu sagen hat.

Vor dem Schnitzen müssen erst ein paar Regeln aufgestellt werden. Die erste lautet: Wer schnitzt, sitzt! „Nehmt die Beine auseinander und legt die Unterarme auf die Oberschenkel“, erklärt die Expertin. „So sitzt ihr stabil.“ Außerdem: Das Messer kommt in die Hand, die normalerweise die Zahnbürste hält. Es wird immer vom Körper weg geschnitzt und nicht mit dem offenen Messer in der Hand herumgelaufen.

Endlich geht’s los. Auf einem großen Brett zeigt Frau Schulte, was heute auf dem Programm steht: Mikadostäbe, Gabeln, Löffel. Zuerst ist der Mikadostab dran. Der ist an beiden Enden spitz und eignet sich gut, die typische Schnitz-Bewegung zu üben.

Und schon fliegen Holzspäne durch die Luft. Nach kurzer Zeit ist Maxis Stock richtig spitz. Seine Schwester Sophia ist heute auch dabei. Sie ist erst fünf Jahre alt, wollte aber unbedingt auch mal schnitzen. Astrid Schulte stellt sich hinter sie und hält das Messer mit ihr gemeinsam. Ganz leicht gleitet die scharfe Klinge durch das Holz.

Dann kommen Gabeln dran. Dafür wird der Ast nicht spitz geschnitzt, sondern zuerst flach. Er sieht dann fast so aus wie ein großer Schraubendreher. Daraus entstehen nach und nach Gabeln mit zwei Zinken. Mittlerweile haben alle die Technik heraus und es ist ganz still auf der Wiese. Nur das leise „ritsch ratsch“ der Schnitzmesser ist zu hören.

Löffel sind etwas schwieriger als Gabeln. Denn auch der Stiel wird geschnitzt und das Holz mit einem speziellen Werkzeug ausgehöhlt.

Astrid Schulte hilft dabei. Die Expertin hat schon mehr als 470 Löffel geschnitzt. Sie übt aber immer noch: „Um richtig gut zu sein, muss man etwas bestimmt tausendmal machen“, sagt sie. Jetzt gibt es aber erst mal eine Pause. Über einer Feuerschale werden Würstchen gegrillt – aufgespießt auf angespitzte Stöcke.

Autorin: Assata Frauhammer, dpa

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