Kinderseite_Logo_962px.JPG

Forschung : Spinnen fliegen in der Luft

Krabbenspinnen können sich auch an ihren Spinnfäden durch die Luft tragen lassen.
Krabbenspinnen können sich auch an ihren Spinnfäden durch die Luft tragen lassen.

Wie das geht, hat ein Wissenschaftler gerade herausgefunden. Von der schlauen Technik können Menschen profitieren.

von
20. September 2018, 16:51 Uhr

Sie fliegen, obwohl sie keine Flügel haben! Stattdessen nutzen einige Spinnenarten ihre Fäden, um durch die Lüfte zu gleiten. Wie sie das genau machen, blieb der Wissenschaft lange ein Rätsel. Nun hat ein Forscher mehr über den Flug der Spinnen herausgefunden – und ihn gefilmt.

In einem Video im Internet kann man das beobachten: Eine kleine Spinne sucht sich einen höher gelegenen Aussichtspunkt und klettert hinauf. Dann hebt sie ein Vorderbein und fühlt so die Windrichtung. Schließlich spinnt sie aus ihrem Körper einige Fäden. Die funktionieren für die Spinne wie eine Art Gleitschirm: Sie stellt sich in den Wind und lässt sich davontreiben. Fort ist sie! „In der Forschung nennt man das Fadensegelflug“, erklärt Moonsung Cho. Der Forscher aus Südkorea arbeitet derzeit in Berlin. Er hat sich länger mit den fliegenden Spinnen beschäftigt.

Moonsung Cho lässt eine seiner winzigen Spinnen auf der Hand krabbeln. Rasch bewegt sie sich auf die Tastatur eines Laptops zu, dann klettert sie die Kante des Bildschirms hoch. Schließlich seilt sich die Spinne am Faden wieder auf Moonsung Chos Zeigefinger ab.

„Die Spinnen nutzen diese Technik, wenn sie schnell eine weite Strecke zurücklegen wollen“, sagt der Fachmann. Zum Beispiel, wenn es an einem Ort kein Futter gibt oder Fressfeinde sie bedrohen. „An ihren Spinnfäden kann sich so ein Tierchen dann viele Kilometer hoch und weit durch die Luft tragen lassen.“

Weil diese Spinnweben für das menschliche Auge so schwer zu sehen sind, wissen wir noch nicht viel über den Fadensegelflug. Moonsung Cho will das ändern. Denn von dieser schlauen Technik könnten sich Menschen viel abschauen. „Wir könnten etwa Wetterballons oder andere Messinstrumente in heftige Stürme fliegen lassen“, erklärt der Experte. „So könnten wir das Wetter noch besser erforschen.“ Darum beobachtet er die fliegenden Spinnen in einem Labor etwa mitmilfe eines Windkanals. Diese Maschine sieht aus wie ein riesiger Fön. Wie stark sie Luft pusten soll, stellt der Forscher ein. Vor dem Windkanal lässt er die Spinnen auf einen Stab krabbeln. Von dort aus beobachtet er, wie die Tiere ihre Fäden spinnen und wegfliegen. So hat Moonsung Cho schon herausgefunden: Größere Spinnen brauchen bis zu 60 Fäden zum Abheben, kleinere viel weniger.

Autor: Philipp Brandstädter

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen