Wirtschaft : Schokolade hat auch eine bittere Seite

Mit dieser Machete arbeitete Sylvain Yao Kouakou auf den Kakao-Feldern.
Mit dieser Machete arbeitete Sylvain Yao Kouakou auf den Kakao-Feldern.

Die meiste Schokolade in Deutschland kommt aus Westafrika – dort müssen oft Kinder auf den Feldern arbeiten.

svz.de von
21. Februar 2018, 23:12 Uhr

Nirgends sonst auf der Welt wachsen so viele Kakaobäume wie in Westafrika. Für Schoko-Fans klingt das nach dem Paradies. Denn aus den Früchten der Bäume wird eine beliebte Süßigkeit hergestellt: Schokolade! Besonders gut wächst der Kakao im Land Elfenbeinküste. Dort ist es das ganze Jahr warm, es regnet aber auch viel. Trotzdem gibt es ein Problem: Auf den Feldern arbeiten oft Kinder.

So wie der 16 Jahre alte Sylvain Yao Kouakou. Er hat mit einem großen Messer, das man Machete nennt, auf den Kakao-Anbauflächen seines Onkels gearbeitet. „Ich habe mit der Machete das Unkraut weggeschlagen“, erklärt er. „Und sobald der Kakao reif war, habe ich ihn in schweren Säcken nach Hause geschleppt.“ Kinder in Westafrika dürfen eigentlich keine schweren oder gefährlichen Arbeiten verrichten. Denn das gefährdet ihre Gesundheit.

Außerdem gehen sie so seltener zur Schule. Doch Kinderarbeit ist in Westafrika weit verbreitet: Zwei Millionen Kinder arbeiten in der Elfenbeinküste und im Nachbarland Ghana im Kakao-Anbau.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Viele Familien sind arm. Sie können niemanden anstellen, der auf ihren Feldern arbeitet. Deswegen helfen die Kinder mit. Manchmal haben die Familien auch einfach nicht genug Geld, um die Kinder zur Schule zu schicken. Und in vielen Fällen halten die Eltern es für normal, dass Kinder arbeiten.

In Deutschland macht es viele Menschen traurig, wenn ihre Schokolade Kindern in Afrika schadet. Deswegen geben sich manche Schokoladenhersteller inzwischen Mühe, Kinderarbeit zu verhindern.

Sie haben zum Beispiel eine Organisation in Sylvains Dorf geschickt. Die Mitarbeiter der Organisation erklären den Eltern, wieso Kinder nicht arbeiten dürfen. Und sie helfen den Familien dabei, ihre Geldprobleme zu lösen.

In Sylvains Dorf haben sie sogar eine neue Schule gebaut. So müssen die Kinder nicht mehr viele Kilometer ins nächste Dorf laufen.

Bei Sylvain hat es funktioniert: „Jetzt mache ich keine schweren Arbeiten mehr“, sagt er. Er hilft seinem Onkel nur bei kleineren Aufgaben. Für den Onkel ist es schwierig ohne Sylvains Hilfe. Doch er kann seinen Kakao nur gut verkaufen, wenn keine Kinder auf seinen Feldern arbeiten. Jetzt muss er manchmal tageweise Arbeiter anheuern.

Sylvain kommt so seinem Traum ein Stück näher. „Ich will Automechaniker werden“, sagt er. Damit könnte er genug Geld verdienen, um später seine eigenen Kinder zur Schule zu schicken.

Autor: Jürgen Bätz

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