Geschichte : Schokolade aus der Luft

Dies ist der Pilot Gail Halvorsen, den man damals auch Schokoladenflieger nannte.
Dies ist der Pilot Gail Halvorsen, den man damals auch Schokoladenflieger nannte.

Die Geschichte der Berliner Luftbrücke

svz.de von
14. Mai 2019, 17:07 Uhr

Ein lautes Brummen erfüllt die Luft. Es kommt von einem Flugzeug am Himmel. Am Boden stehen Kinder und winken. Sie warten auf ein Zeichen. Tatsächlich: Plötzlich neigt sich das Flugzeug von einer Seite zur anderen. Dann schweben kleine Fallschirme mit Päckchen daran durch die Luft. Langsam segeln sie zur Erde. Die Kinder rennen los, um sie aufzusammeln.

Diese Szene hat sich in der Stadt Berlin zugetragen, etwa drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Flugzeuge brachten damals Lebensmittel und andere Dinge in den Westteil Berlins. Dieser war von der Außenwelt abgeschottet. Straßen, Schienen und Flüsse, die dorthin führten, waren gesperrt. Deswegen konnten auf dem Landweg keine Lebensmittel oder Kohle zum Heizen zu den Menschen gebracht werden.

Aber wie war es dazu gekommen? Deutschland hatte den Zweiten Weltkrieg 1945 verloren. „Die Siegermächte teilten das Land in Zonen ein“, erklärt der Experte Bernd von Kostka. Westdeutschland wurde von den USA, Frankreich und Großbritannien kontrolliert. Ostdeutschland von der Sowjetunion, zu der auch Russland gehörte. Die Sowjetunion gibt es heute nicht mehr.

Auch die Stadt Berlin in Ostdeutschland wurde zwischen diesen vier Siegern aufgeteilt. Im Westteil hatten die USA, Frankreich und Großbritannien das Sagen, im Osten die Sowjetunion. Der Westteil lag damit wie eine Art Insel komplett in der Zone der Sowjetunion.

„Doch zwischen den vier Siegermächten kam es zum Streit“, sagt der Experte. Die Sowjetunion blockierte daraufhin die Zugänge zum Westteil. Damit die Menschen dort nicht verhungern, hatte ein Brite die Idee: Lasst uns den Westteil mit Flugzeugen versorgen! „Niemand hielt es für möglich.“ Doch die Amerikaner und die Briten probierten es aus. Aus der ganzen Welt holten sie Flugzeuge in ihre Zonen in Westdeutschland. „Dort wurden die Flieger beladen.“ Etwa mit getrockneten Kartoffeln, Mehl und Milchpulver. Möglichst leicht sollte es für den Flug sein.

Das war aber nicht alles. Ein Pilot aus den USA hatte eine besondere Idee. Er hatte Kinder in der Nähe eines Flughafens in Westberlin kennengelernt. Um ihnen eine Freude zu machen, versprach er, für sie Süßigkeiten aus dem Fenster seines Flugzeugs zu werfen. Damit die Kinder ihn erkennen, wollte er mit den Flügeln des Flugzeuges wackeln. Und so geschah es. Erst heimlich. „Doch die Aktion sprach sich herum“, sagt Bernd von Kostka. Der Pilot bekam sogar von seinen Chefs die Erlaubnis, Süßigkeiten abzuwerfen. Freiwillige packten Päckchen und banden sie an Taschentücher, der Pilot und bald auch viele andere Piloten warfen sie aus Flugzeugen ab. Die Flieger erhielten den Spitznamen „Rosinenbomber“.

Die gesamte Rettungsaktion ging als Berliner Luftbrücke in die Geschichte ein. „Die Luftbrücke war ein voller Erfolg, über den damals weltweit berichtet wurde“, sagt der Experte. Der Erfolg war so groß, dass die Sowjetunion schließlich die Blockade Westberlins beendete. Das war 322 Tage nach Beginn der Luftbrücke, am 12. Mai 1949, also vor 70 Jahren. Die Luftbrücke wurde allerdings noch ein paar Monate weitergeführt.

Autorin: Silke Katenkamp,dpa

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