Pittiplatsch ist unsterblich

<fettakgl>Bis zu seinem Tod </fettakgl>2009 gab Puppenspieler Heinz Schröder Pitti die Stimme. <foto>dpa</foto>
Bis zu seinem Tod 2009 gab Puppenspieler Heinz Schröder Pitti die Stimme. dpa

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16. Juni 2012, 03:03 Uhr

Berlin | Er ist schokoladenbraun, rund wie eine Kugel, hat Knopfaugen, den Kopf voller verrückter Ideen und eine große Klappe: Pittiplatsch, der Kobold aus dem "Abendgruß" des Sandmännchens, hat Generationen von Kindern mit seinen Abenteuern im Märchenwald zu Bett gebracht. Diesen Sonntag wird die beliebte Figur aus dem DDR-Fernsehen 50 Jahre alt. Am 17. Juni 1962 hatte Pittiplatsch seinen ersten Auftritt beim "Abendgruß".

Die Geschichten um den niemals um eine Antwort verlegenen Kobold und sein Leben mit der Ente Schnatterinchen und dem Hund Moppi knüpfen an die kindliche Fantasiewelt an: Pitti will schneller wachsen und Moppi holt die Gießkanne, um ihn mit Wasser zu begießen. Pitti möchte zum Knopfstern fliegen und macht den Staubsauger startbereit. Er vermutet in der Gartenlaube ein Gespenst und will es mit dem Besen vertreiben. Laut RBB brachte es Pittiplatsch auf mehr als 1000 Auftritte in verschiedenen Sendereihen.

Dabei hätte die TV-Karriere des Kobolds mit den karierten Pantoffeln und der hohen Stimme beinahe ein frühes Ende gefunden. Als "Pitti, der lieeeebe" zum ersten Mal im DDR-Fernsehen zu sehen war - damals beim Märchen-Erzähler Meister Nadelöhr - hagelte es Kritik. "Selbst Lehrer und Erzieher kritisierten, dass diese Figur nach ihrer Ansicht weder Tier noch Mensch und noch dazu so frech sei", erinnerte sich der 2009 verstorbene Puppenspieler Heinz Schröder, der Pittiplatsch seine krächzende, hohe Stimme lieh. Meister Nadelöhr steckte den Kobold mit den Worten "Du warst zu frech" in den Fundus. Doch dann schickten die Kinder säckeweise Protestbriefe, so dass Pittiplatsch ein halbes Jahr später auf die Mattscheibe zurückkehrte.

Zunächst trat der Kobold vor allem mit Meister Nadelöhr auf, später meist im Dreiergespann mit der plappernden, neugierigen Schnatterente und Hund Struppi, der 1976 schließlich durch den muffeligen Moppi ersetzt wurde. Pittiplatsch wurde zum Publikumsliebling und zur Kultfigur.

Seinen Ausruf "Ach du meine Nase!" gibt es heute als Klingelton, ebenso wie das von ihm und Schnatterinchen gesungene Kinderlied "Rolle, rolle, rolle, roll mein Ball". Die Figuren aus dem Märchenwald haben als Plüschtier, Schlüsselanhänger und Magnet-Pin ihren Weg ins Kinderzimmer gefunden. Zu DDR-Zeiten gab es eine Pittiplatsch-Briefmarke und lustige Episoden auf Kassette und LP. Zu Pittiplatschs 50. erscheint wieder mal eine DVD-Box.

Nach der Wende und der Abwicklung des DDR-Staatsfunks entstanden keine neuen Märchenwald-Geschichten mehr fürs Fernsehen. Was heute im RBB, KiKa und MDR von Pittiplatsch zu sehen ist, kommt aus der Konserve. Die Puppenspieler wurden arbeitslos.

Sie fanden aber 1993 eine neue Betätigung: Pitti-"Vater" Heinz Schröder und andere Puppenspieler zogen mit dem "Pittiplatsch-Ensemble" durch Deutschland und spielten Kindern und Erwachsenen vor. Um die 400, 500 Zuschauer seien keine Seltenheit, sagte Schröder 2008. Auch wenn die Original-Stimme von Pittiplatsch mit seinem Tod verstummt ist, zieht das Ensemble weiter durch Ost- und Westdeutschland. Die Aufführungen sind der Künstleragentur Showexpress zufolge fast immer ausverkauft. Das Interesse an Pittiplatsch und Co. nimmt offenbar nicht ab. Beim "Sandmännchen", wo der Kobold jeden zweiten Samstag zu sehen ist, schalten im Schnitt täglich 1,5 Millionen Zuschauer ein.

Im September (KiKA) und Oktober (RBB) laufen restaurierte Pittiplatsch-Folgen im Vormittagsprogramm. Bereits im August zeigen RBB, MDR und KiKA jeden Samstag (statt nur zweiwöchentlich) eine Pittiplatsch-Folge beim "Sandmann", außerdem jeden Sonntag im MDR im Zweikanalton auf Deutsch und Sorbisch.

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