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Tischsitten im Wandel der Zeit : Nimm doch die Gabel!

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In unserer neuen Serie geht es darum, was früher und was heute beim Essen Sitte war. Heute: Wie das Essbesteck komplett wurde.

Jeder weiß, dass eine Suppe mit dem Löffel genossen wird, und dass Fleisch am besten mit dem Messer geschnitten wird. Bereits in der Steinzeit zerlegten die Männer ihre Jagdbeute mit Faustkeilen. Im Laufe der Jahrtausende wurde dieses Instrument immer mehr verfeinert und entwickelte sich schließlich zum Messer. Der Löffel als Schöpfgefäß hatte viele Vorbilder in der Natur. So wurden anfangs zum Beispiel Muscheln, Blätter oder Steine genutzt, um Flüssigkeiten zum Munde zu führen. Aber eine Gabel kannten die Menschen früher nicht. Schließlich hatten sie doch noch die Finger, um die Nahrung zum Mund zu befördern.

Das frühe Mittelalter war für die meisten Menschen zumeist ein Kampf ums Überleben. Die wenige Nahrung aßen die Bauern mit den Fingern. Später teilte sich das gemeine Volk bei Tisch Messer, Schüssel und Becher. Löffel waren oft aus Holz geschnitzt, da bekam jeder einen. Im Spätmittelalter wurden die Adligen wohlhabender und frönten ausgiebigen Essgelagen. Zwar war die Gabel bekannt, aber sie war verpönt, galt als Hexenwerkzeug. Erinnert sie doch an den Dreizack des Teufels.

Erst im 16. Jahrhundert kamen kleine Gäbelchen bei den Adeligen in Mode. So benutzen zunächst hauptsächlich französische und italienische Damen jene als Konfekt- und Obstgäbelchen. Sie galten als ein Symbol ihres Standes und waren kleine Kunstwerke aus Elfenbein, Gold und Silber, oft mit Edelsteinen und Perlmutt verziert. Viele gelehrte Männer, unter ihnen auch Martin Luther und Erasmus von Rotterdam, verhöhnten die Gabeln als weibisches Getue.

Doch das gemeine Volk musste noch etwa drei Jahrhunderte auf die Gabel warten. Ein zusammenhängendes Besteck aus Messer, Gabel und Löffel leisteten sich Kaufleute und Adlige ab etwa dem 16. Jahrhundert und als Fertigungsmaterial diente hierfür bis zum Zeitalter der industriellen Revolution Edelmetall. So wurde das Besteck als aufwendige Handarbeit aus Gold oder Silber hergestellt und oftmals noch reich mit Edelsteinen, Perlmutt oder Elfenbein verziert und war somit ein Wertgegenstand. Jener wurde in ein Futteral hineingesteckt und am Gürtel stets als persönliches Reisebesteck mitgeführt. Dieser Vorgang wurde in dieser Zeit „bestecken“ genannt und davon leitete sich das Wort Besteck ab.

Doch mit dem Beginn der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert wurde vor allem Aluminium genutzt und so wurde mit den Anfängen der Massenproduktion Besteck für jeden erschwinglich. Heute gibt es Gabeln in verschiedensten Variationen, so als Kuchengabel, Plastikgabel für Pommes Frites, Spaghettigabel und auch als Gabel für Linkshänder.


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