Nashörner gehen bei Kälte ins Solarium

<strong>Die Nashorndamen Eva (l.) und Clara</strong> leben bereits seit vier Jahren gemeinsam in einer Anlage. Fotos: Katharina Roese.
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Die Nashorndamen Eva (l.) und Clara leben bereits seit vier Jahren gemeinsam in einer Anlage. Fotos: Katharina Roese.

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08. März 2013, 06:02 Uhr

Es raschelt ein bißchen, wenn Eva ihr großes Maul in dem Berg aus Heu versenkt und bedächtig anfängt zu kauen. 30 bis 40 Kilogramm Heu, Äpfel und Rhinopallets, ein Nashorn-Kraftfutter, frisst die imposante Dame pro Tag. Eva und Clara gehören zu den Breitmaulnashörnern. Und den Namen tragen sie zu Recht: Ihr Maul ist breit und die Unterlippe hornig. So kann das Breitmaulnashorn in der Natur, sein Futtergras perfekt abreißen.

Eine Breitmaulnashornkuh kann bis zu zwei Tonnen schwer werden, die Bullen bringen sogar bis zu 3,6 Tonnen auf die Wage. Die Haut des Nashorns ist sehr dick - an den dünnsten Stellen etwa zwei Zentimeter, an der dicksten - am Buckel- sogar bis zu viereinhalb. Im Vergleich: Die Haut von uns Menschen ist an der dicksten Stelle nur etwa fünf Millimeter dick. Das Horn der Tiere besteht aus Keratin und wächst wie bei uns die Fingernägel immer weiter. Es kann bis zu 1,50 Meter lang werden. "Die spitze Form erhält es, weil sich Clara und Eva ihre Hörner an der Wand ihrer Käfige abschubbern", sagt Katrin Otterbeck-Meyer. Manchmal finde der Pfleger sogar kleine Bröckchen im Stall. "Wenn sie sich das Horn abreiben, tut es ihnen nicht weh."

"Breitmaulnashörner werden durchschnittlich zwischen 40 und 45 Jahre alt", verrät Katrin Otterbeck-Meyer vom Zoo Schwerin. Eva ist schon 31 Jahre alt, also eine betagte Nashorndame. Clara hingegen ist mit ihren sechs Jahren noch sehr jung. "Clara ist aus einem afrikanischen Reservat zu uns gekommen, das erkennt man an ihren schwarzen Puscheln an den Ohren", sagt die Zoo-Mitarbeiterin. Zuerst hatte Clara Probleme mit dem Futter im Zoo. "Sie war nur das afrikanische, pieksige Steppengras gewöhnt - da hat sie anfangs unser saftiges Heu verweigert." Und Äpfel kannte der Dickhäuter vor dem Leben im Zoo noch gar nicht, erzählt Katrin Otterbeck-Meyer. Doch mittlerweile habe Clara sich gut bei ihnen eingelebt.

Wird es den beiden Nashorndamen zu kalt, klopfen sie mit den Hörnern an die Stalltür, um dem Pfleger zu sagen: Hey, uns ist kalt. Lass uns wieder rein! Im Stall sind es behagliche 18 Grad und es gibt eine ganz besondere Einrichtung für das Damen-Duo: "Drinnen können Eva und Clara in ein spezielles Nashorn-Solarium gehen", sagt Katrin Otterbeck-Meyer. Dies besteht aus einer großen Platte mit UV-Lampen. Hier wärmen sich die Zwei wieder auf und Hautpflege ist gleich mit inbegriffen. "Ihre dicke Haut braucht die Sonne zur Pflege", erklärt die Zoo-Mitarbeiterin.

Breitmaulnashörner können sehr schlecht sehen, doch ihr Geruchssinn und ihr Gehör sind gut ausgebildet. Und das müssen sie auch. In freier Natur ist es wichitg, Feinde früh zu erkennen. Da ihre Augen nicht gut sind, müssen Nashörner dies mit den anderen Sinnen ausgleichen. "Deshalb stehen sie immer so, dass sie sich gegenseitig decken. Und um zu erkennen, was hinter ihnen los ist, sind ihre Ohren immer in Bewegung", verrät Katrin Otterbeck-Meyer." So hören sie, was sie nicht sehen können."

Für Clara und Eva gibt es keine Gefahr im Schweriner Zoo. Nur die afrikanischen Zwergziegen, mit denen sie die Anlage teilen, pirschen sich manchmal an die beiden heran. Dann springen sie auf deren Rücken oder klauen den ihnen das Futter vor der Nase weg. Doch Clara und Eva nehmen es gelassen.

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