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Forschung : Mit der Schere an das Erbgut

Die DNA liegt im Zellkern und hat einen Aufbau wie eine Spirale mit einem doppelten Strang.
Die DNA liegt im Zellkern und hat einen Aufbau wie eine Spirale mit einem doppelten Strang.

Wissenschaftler verstehen die Baupläne des Lebens immer besser – über eine Entdeckung namens Crispr.

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01. April 2019, 15:40 Uhr

Ein Löwenzahn, ein Goldhamster und du: Ihr alle habt mehr miteinander gemeinsam, als es zunächst scheint. Denn alle Lebewesen bestehen aus Zellen. Das sind die winzigen Bausteine, aus denen sich Pflanzen, Tiere und Menschen zusammensetzen. In jedem davon steckt ein Bauplan für das Lebewesen. Darin steht, wie die Zellen aussehen, was sie tun müssen und wie sie aufeinander aufbauen.

Nach diesem Bauplan richtet sich etwa, welche Haarfarbe oder Augenfarbe jemand hat. Er beeinflusst auch, wie gut ein Mensch Krankheiten abwehren kann. Der Plan ähnelt dabei den Bauplänen der Eltern. Denn jeder bekommt stets einen Teil des Plans von der Mutter und einen vom Vater. Man sagt: Sie werden vererbt. Darum nennt man die Baupläne auch Erbgut.

Dieses Erbgut zu verstehen ist für die Wissenschaft eine große Aufgabe. Forscher tüfteln daran, wie man diesen Plan bei Menschen verändern kann. Etwa um eine Krankheit zu heilen, indem sie das Erbgut an der entscheidenden Stelle umschreiben.

Menschen arbeiten zwar schon lange daran, Lebewesen nach bestimmten Wünschen zu schaffen. Landwirte etwa bringen Eltern-Tiere mit bestimmten Eigenschaften zusammen. Dabei kommen zum Beispiel Kühe heraus, die besonders viel Milch geben. Oder Pflanzen werden so gezüchtet, dass sie beständiger gegen Krankheiten sind.

Wissenschaftler wollen das gewünschte Erbgut aber noch gezielter beeinflussen. Dabei werden nicht mehr die vollständigen Baupläne zweier Elternteile gemischt. Stattdessen basteln sie im Labor einzelne Abschnitte eines Bauplans in einen anderen hinein. Weil diese Abschnitte auch Gene genannt werden, heißt diese Forschung Gentechnik.

Vor Kurzem haben Wissenschaftlerinnen dabei einen Riesenschritt gemacht. Und zwar mit einer Erfindung namens Crispr/Cas9. „Mit dieser Erfindung können Genforscher den Bauplan der Lebewesen bearbeiten“, erklärt der Wissenschaftler Dimitrios Wagner – und zwar schneller und einfacher als mit anderen Methoden.

Crispr/Cas9 ist auch als Gen-Schere bekannt. „Viele Wissenschaftler wollen mit dieser Schere unsere Welt besser machen“, sagt der Fachmann. „Sie hoffen, damit Krankheiten zu behandeln, die bislang als unheilbar gelten.“

Allerdings finden diese Idee nicht alle Leute gut. Sie meinen: Der Mensch greift zu weit in die Natur ein und gefährdet sie womöglich. „Die Forschung mit der Gen-Schere steht noch ganz am Anfang“, sagt Dimitrios Wagner dazu. „Doch die Erfindung hat die Tür zu neuen Möglichkeiten aufgeschlagen, die wir heute noch nicht absehen können.“

Autor: Philipp Brandstädter, dpa

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