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Sport : Losprügeln darf hier keiner

Diese Position dient Kung-Fu-Schülern wie Ahmad dazu, zur Ruhe zu kommen und Energie zu tanken.
Diese Position dient Kung-Fu-Schülern wie Ahmad dazu, zur Ruhe zu kommen und Energie zu tanken.

Erst übte er vor dem Fernseher, heute lernt er von einem Profi: Der zehnjährige Ahmad macht Kung-Fu.

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23. November 2017, 23:09 Uhr

Mindestens dreimal pro Woche geht Ahmad zum Training. Nicht zum Fußball oder Tennis: Der Zehnjährige lernt Kung-Fu. Das ist eine Kampfkunst, mit der man sich selbst verteidigt.

Ahmad kennt Kung-Fu aus Filmen. „Ich habe lange alleine vor dem Fernseher geübt“, sagt er. „Dann wollte ich es richtig lernen und habe meinen Bruder gebeten, mir ein Training zu suchen.“

So ist Ahmad zu Tatjana Herrmann gekommen. Die Frau hat schon bei großen Turnieren mitgemacht. Heute trainiert sie Kinder und Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene.

Nach einem kurzen Aufwärmen beginnt das eigentliche Training mit Dehnübungen. „Dehnung ist sehr wichtig“, erklärt Ahmad. Ein Spagat im Sitzen, ein Bein hinter dem Kopf: Solche Übungen sind für ihn ein Kinderspiel. „Ich habe zu Hause zwei Matten, da übe ich jeden Tag.“ Der Spagat hilft den Schülern später bei bestimmten Tritten. Die Trainerin erklärt: „Es gibt zum Beispiel einen Tritt, mit dem man Angreifer, die von hinten kommen, über die Schulter abwehrt.“ Nach den Dehnübungen wird auf der Matte weitergeübt: Rollen über die Schulter, Kopfstand und Salto. Danach ist Ahmad ganz schön verschwitzt. Müde ist er aber noch nicht.

Als Nächstes sind bestimmte Abläufe von Bewegungen an der Reihe, auch Formen genannt. Ahmad lernt, sich mit verschiedenen Tritten und Schlägen zu wehren und mit Hilfe von Saltos und Rollen zu entkommen. Die Trainerin zählt auf Chinesisch ein: „Yi, er, san!“ Das heißt „eins, zwei, drei“. Vor und nach jeder Form legt Ahmad seine Hände flach aneinander und verbeugt sich leicht. Dieses Ritual dient nicht nur dazu, Lehrer und Zuschauer höflich zu begrüßen. „Die Begrüßung ist ein Mittel, um zur Ruhe zu kommen, um sich zu konzentrieren und Energie zu sammeln“, erklärt die Trainerin.

Energie brauchen Ahmad und die anderen Schüler viel an diesem Abend. Ständig wird kräftig in die Luft geboxt und getreten, laut aufgestampft und geschrien. Gegeneinander gekämpft wird heute aber nicht. Jeder macht die Formen für sich allein.

„Bevor man gegen jemanden kämpft, muss man erst die Technik genau beherrschen“, sagt Tatjana Herrmann. „Außerdem muss man lernen, sich und seine Kraft einzuschätzen und zu kontrollieren. Einfach losprügeln darf hier keiner.“ Kung-Fu soll nur im Notfall gegen jemanden eingesetzt werden, nicht mehr als unbedingt nötig. Schaden soll man keinem damit. „Ich tue niemandem weh und schlage auch nie zu“, sagt Ahmad. Und wenn es Ärger auf dem Schulhof gibt? „Dann gehe ich zu meiner Lehrerin.“

Autorin: Karlotta Ehrenberg

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