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Kunterbunt, schief und krumm

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erstellt am 12.Apr.2012 | 11:30 Uhr

In Wien steht ein Haus, das zieht die Blicke magisch auf sich. Täglich stehen viele Menschen staunend in der Kegelgasse und machen Fotos. Ihr Motiv ist ein kunterbuntes Gebäude. An eine blaue Fläche schließt sich eine rote, an diese eine gelbe. Andere Flächen sind grau, orange oder braun. Die Farbübergänge sind zum Teil ganz krumm. Ein bisschen kann man sich das Haus vorstellen wie einen Papageienkuchen, auf dem bunte Teige ineinander verlaufen.

Die Idee zu dem Haus hatte Friedensreich Hundertwasser. Das war ein bekannter Künstler aus Österreich. Weil das Haus so ungewöhnlich ist, wurde es Hundertwasserhaus genannt. Das fand Josef Krawina jedoch gar nicht toll. Der Architekt hat Friedensreich Hundertwasser nämlich mächtig geholfen, seine Idee von diesem Haus in die Tat umzusetzen. Nach einem langen Streit entschied ein Gericht vor ein paar Jahren, dass das Haus deshalb offiziell Hundertwasser-Krawina-Haus heißen muss.

Die bunte Fassade ist nicht das einzig Außergewöhnliche. Überall stehen farbenfrohe Säulen und kleben Mosaike. Die Wände und Böden sind krumm und schief. Nur in den 52 Wohnungen nicht. Sonst könnte man ja keine Möbel hinstellen und Bilder aufhängen. Von außen sieht es aus, als wachsen überall aus dem Haus Bäume und Sträucher. Insgesamt mehr als 200 stehen auf Balkonen und Terrassen. Wer in dem Haus wohnt, darf die Außenwände soweit seine Arme aus dem Fenster reichen ganz nach seinen eigenen Ideen gestalten. Das Haus ist so ungewöhnlich, dass es weltweit bekannt ist. Genau wie sein Künstler.

Friedensreich Hundertwasser wurde am 15. Dezember 1928 in Wien geboren. Damals hieß er noch Friedrich Stowasser. Als er feststellte, dass das Wort "Sto" im Slawischen hundert bedeutet, änderte er seinen Nachnamen in Hundertwasser. Später machte er aus Friedrich Friedensreich, setzte noch Regentag und Dunkelbunt dazu und nannte sich fortan Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser.

So fantasievoll und verrückt wie sein Name waren auch seine Bauwerke. Überall auf der Welt tragen Gebäude seine Handschrift, unter anderem in Österreich, Japan, Deutschland und Neuseeland. Er gestaltete beispielsweise Wohnhäuser und eine Kindertagesstätte, er verzierte Bahnhöfe und öffentliche Toiletten. Seine Bauwerke kann man leicht erkennen: Sie sind nie ganz gerade oder eckig, sondern kunterbunt und buckelig, haben Rundungen und geschwungene Linien, Säulen, Türmchen, viele Fenster und Mosaike, Balkone und Terrassen.

Friedensreich Hundertwasser dachte sich aber nicht nur ungewöhnliche Gebäude aus. Er ist auch als Maler sehr bekannt. Seine Bilder sind ebenfalls sehr bunt. Häufig enthalten sie eine Spirale. Und natürlich verschlängelte Linien. Er malte immer und überall: Zu Hause, draußen, in Restaurants, auf Zugfahrten oder bei Freunden.

Friedensreich Hundertwasser wurde 71 Jahre alt. Am 19. Februar 2000 starb er auf einem Kreuzfahrtschiff. Seine Bilder und Bauwerke sind aber noch immer sehr beliebt.

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